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Weihnachtspredigt 2021

Weihnachtspredigt 2021


# Neues aus der Gemeinde
Datum der Veröffentlichung Veröffentlicht von Claus Nungesser am Montag, 27. Dezember 2021, 13:13 Uhr
Weihnachtspredigt 2021

Liebe Gemeinde,

Zum Fürchten war Ihnen, den Hirten. Denen, die schon alles erlebt hatten, da draußen in der Wildnis. In der Dunkelheit, der lauten Nacht. Ständig Geräusche von Tieren, auf der Hut vor Wolf und Bär, die an die Schafe wollen. Bereit zum Kämpfen wachen sie nachts im Wechsel. Wer jemals draußen im Feld, im Wald übernachtet hat, weiß: der Schlaf ist unruhig, der Körper angespannt. Das tiefe Dunkel kann zum Fürchten sein. Diesmal fürchten sich die Hirten, als es taghell wird.

„Fürchtet Euch nicht“, ruft die Engelsstimme. Die Stimme, sie spürte die Furcht der harten Männer. Sanft rief sie „Fürchtet Euch nicht!“. so wollte sie die Hirten wieder beruhigen, damit sie hören. Wer sich fürchtet, hört kaum zu. Furcht kann so groß werden, dass sie uns lähmt, unsere Sinne werden taub.

„Fürchtet Euch nicht! Ich bringe Euch eine Himmelsnachricht, Gott ist Euch ganz  nah, nicht zum Fürchten nah. Nahe als Mensch, als Mensch, mit allem, was Menschsein ausmacht. Der Mensch Gottes, Jesus, ist einer von Euch. Auch er mit seiner Furcht.“

Unsere Furcht ist anders als die der Hirten vor wilden Tieren, vor dem grellen Engelslicht. Unsere Befürchtungen, sie heißen: Ansteckung, schwere Verläufe, volle Intensivstationen, Begrenzung unserer Freiheit, psychische Belastungen, Verdienstausfall, Einsamkeit. Streit und Entzweiungen über Pandemiefragen. Unsere Coronafurcht ist real, auch wenn wir uns verschieden fürchten. Wie geht es ihnen damit?

Ich erlebe bei anderen und mir selbst: sie hinterlassen Spuren, diese ganzen Befürchtungen. Sie dämpfen uns Einzelne, sie überlasten uns Gesellschaft. Wir fürchten gemeinsam das Virus. Wir hatten schon fröhlichere Weihnachten. „Fürchtet Euch nicht!“ Wirklich?

Die Hirten machen sich aus dem Dunkel ihrer Nacht auf zum Stall. Dort kommen sie zur Ruhe: Der gestillte Säugling, die Wärme der Tiere, der Schutz der Hütte, die müden Eltern. Dieser Stall, für sie ein Ort des Friedens mitten in der Nacht. Furcht hat hier keinen Platz, wenigstens hier nicht. Ein geschützter Ort. Ein Ort, an dem für Mensch und Tier die unsichtbare Gegenwart des Himmlischen spürbar ist. Spürbar, weil alle im Stall zur Besinnung, zur Stille kommen. Weil hier unser Sehnen nach Frieden und Harmonie gestillt wird. Nicht für immer, doch wenigstens für ein paar Stunden: Aufatmen, tiefe Freude, innere Ruhe. Das Geschenk der Heiligen Nacht.

Auch Sie heute Abend werden sich bald wieder von hier Draußen, von der nassen, kalten Dunkelheit aufmachen. Aufmachen nach Hause. In die warme, geschmückte Wohnung, zur vorbereiteten Feier, zum für sich sein, zum Zusammensein. Im besten Fall ist unser zu Hause unser Stall in den nächsten Nächten und Tagen. Hoffentlich ein Ort, wo auch Frieden einkehrt. Wo der Lärm, die Furcht unserer Tage keinen Zutritt haben. Ein Ort, wo wir die ansteckenden Befürchtungen der Medien mal draußen lassen. Nachrichten aus, Smartphone Flugmodus.

Wo wir uns - hoffentlich gemeinsam - besinnen können, was uns persönlich zum Frieden der Weihnacht führt: Aufeinander achten, miteinander essen, spielen, singen. Uns beschenken mit Aufmerksamkeit und echtem Interesse aneinander. Jemanden einladen oder anrufen, der sonst alleine wäre. Wenn wir selbst alleine sind, vielleicht ein schönes Buch, das uns in eine andere Welt mitnimmt. Oder Kontakt aufnehmen mit jemandem, der uns sehr mag. So kann aus unserer Wohnung der Stall der Weihnacht werden - Stätte tiefen Friedens mit uns selbst, miteinander, mit Gott.

Die Hirten, die heilige Familie, wir: wir werden diesen Friedensstall wieder verlassen müssen. Wieder hinaus in die Dunkelheiten des Alltags, zu Orten unserer Furcht. Weihnachten ist kurz.

Doch was hindert uns eigentlich in unserem alltäglichen Leben nach Weihnachtsställen Ausschau zu halten? Uns diese Orte schenken zu lassen: Orte an denen wir uns trotz aller unserer Furcht sagen lassen „Fürchte Dich nicht?“

Was wir dazu tun können? Uns empfänglich dafür machen, uns fragen, wie unsere Furcht leiser werden kann; und dann den Stall als Ort inneren Friedens, als Ort, an dem Gott uns schützt und ruhig macht, suchen.

Dann ist Weihnachten nicht begrenzt auf wenige Tage. Denn Weihnachten ist ein ganz besonderer Anfang. Aus einem fernen Gott wird ein menschlicher. Ein naher Gott, der Frieden bringen will. Er beginnt in mir. Gottes Friede in uns vertreibt unsere Furcht - immer wieder.

Amen

          Pastor Claus Nungesser