Veröffentlicht von Susanne Stehr-Murmann am Mo., 29. Nov. 2021 10:01 Uhr

Andachtsimpuls vom Adventslicht am 1. Advent 2021

von Pastorin Angela Walther

 

Stell dir vor:

Dein Blick gleitet über funkelnde Hoffnungsbringer. Du bist auf Schatzsuche im Advent auf dem Marktplatz. Auf dem Regal tummeln sich Sterne groß und klein, Windlichter, Lichterketten, Christbaumkugeln, Stimmungsleuchter, Krippenfiguren und Minirentiere. Da! Mitten in dem weihnachtlichen Sammelsurium: ein Engel. Ein wenig ernst und zugleich auch ein wenig lächelnd schaut er drein. Vom Trubel um ihn herum bleibt er unbeeindruckt. Er scheint voll Hoffnung, als ruhe er tief in sich selbst. Leise flüsterst du ihm zu: „Gib mir etwas ab von deiner inneren Ruhe!“ Du schaust ihn an und dir ist, als blickte der Engel zurück. Moment mal, hat er gerade die Lippen bewegt? Fremde Worte dringen an dein Ohr: „Salam aleikum - Friede sei mit dir“. Du blickst hoch und siehst hinter dem Regal in zwei dunkle, strahlende Augen. Sie zwinkern dir hinter einer Maske zu. „Salam aleikum - Friede sei mit dir“.

 

Unverhofft hört auch Maria einen heilvollen Gruß:

Im sechsten Monat sandte Gott den Engel Gabriel nach Nazaret in Galiläa zu einem jungen Mädchen mit Namen Maria. Sie war noch unberührt und war verlobt mit einem Mann namens Josef, einem Nachkommen Davids. Der Engel kam zu ihr und sagte: »Sei gegrüßt, Maria, der Herr ist mit dir; er hat dich zu Großem ausersehen!« Maria erschrak über diesen Gruß und überlegte, was er bedeuten sollte. Da sagte der Engel zu ihr: »Hab keine Angst, du hast Gnade bei Gott gefunden!“ (Lukasevangelium, 1,26-30)

 

Maria ist berührt. Die Worte des Engels gehen ins Herz. Nichts ist mehr wie vorher. Marias Leben steht Kopf. Neues Leben entsteht. Ein Kind! Ein Gottesbote! Ein Friedensbringer!

 

„Friede sei mit dir,“ die Worte klingen in dir nach. Kein Engel, der sie sprach. Du kennst die Frau mit den dunklen strahlenden Augen, hast sie schon manchmal auf der Straße gesehen. Sie wohnt hier in der Vahr, nur zwei Blocks von dir entfernt. Doch geredet habt ihr noch nie. Sie hat gerade den Anfang gemacht. Du lächelst zurück. „Danke“, entfährt es dir. „Ja, Friede sei auch mit dir.“ Ihr nickt euch zu, dann geht die Frau weiter zum Kleiderständer. Ihre Worte nimmst du heute mit. Sie machen deinen Tag heller, fröhlicher.

 

Du blickst nochmal zum Engel auf dem Regal. Er sieht zufrieden aus, als möchte er dir zunicken. Ach was, denkst du. Der ist ja nicht echt. Ob Engel Gabriel auch so ein blau glitzerndes Kleid getragen hat? Bestimmt nicht. Auch von Flügeln steht in der Bibel nichts.

 

Und du fragst dich: Vielleicht sind Engel dieser Tage ja flügellos und unscheinbar? Vielleicht könnten dann ja Menschen wie du und ich für einen klitzekleinen Moment WIE Engel sein? Wir könnten wie Gottesboten einen Friedensgruß sprechen: Fürchte dich nicht! Friede sei mit dir! Gottes Friede kommt!

 

Dein Handy klingelt. Du musst weiter, draußen wartet deine Freundin. Du willst schon los, dann zögerst du. Wirst du den Engel im blauen Kleid kaufen? Damit du deinen schönen Moment heute nicht vergisst im Trubel des Advents. Damit dich der kleine Keramikengel in diesen Tagen immer wieder erinnert: Dir ist der Friede Gottes zugesagt. Amen.

Gebet

 

Gott,

wir beten zu dir am Beginn dieser Adventszeit.

Wir wissen nicht, wie die Tage bis Weihnachten werden.

Darum, tritt hinein in unsere Welt.

Mach hell, was dunkel ist.

Lass uns dich finden in diesem Advent.

Hilf uns mitten, in unserem Tun innezuhalten und an dich zu denken.

Lass uns Dinge erleben, die unseren Alltag erhellen.

Schenke uns Begegnungen mit Menschen, die uns berühren

und lass uns den sanften Flügelschlag deines unsichtbaren Engels an unserer Seite spüren.

 

Dies und alles, was uns auf dem Herzen liegt, legen wir in die Worte, die Jesus Christus uns gelehrt hat.

 

Vater unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen,

denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Bleiben Sie behütet! 

Ihre Pastorin Angela Walther 

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