Veröffentlicht von Susanne Stehr-Murmann am Mo., 8. Nov. 2021 12:39 Uhr

Predigt zum Mitnehmen vom 7. November 2021

Liebe Gemeinde, liebe Geschwister,

„Glückselig sind die, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes heißen.“ Über dieses Wort Jesu möchte ich mit Euch und Ihnen nachdenken.

Beginnen wir doch mal mit einer Miniumfrage. Ich bitte Sie und Euch alle daran teil zu nehmen, es ist auch nicht schwer. Das geht so: Ich stelle gleich zwei Fragen und ihr hebt als Antwort sichtbar die Hand bei Zustimmung - oder eben nicht. Wichtig ist, nicht lange nach zu denken, sondern spontan zu entscheiden.

Die erste Frage: Wer von Euch und Ihnen möchte gerne in Unfrieden leben? …

Die zweite Frage als Gegenprobe: wer lebt gerne in Frieden? Ziemlich eindeutig, das wundert mich jetzt - nein natürlich nicht. Sehr eindeutig. Ob es wohl ein anderes Ergebnis gäbe, wenn wir - sagen wir mal alle Menschen in Bremen befragen?

Ich vermute nein und es zeigt mir zweierlei:

Einmal haben wir eine Idee, was Frieden für uns ist. Obwohl Frieden so ein großes und abstraktes Wort ist, ähnlich wie Liebe oder Gerechtigkeit.

Dennoch lohnt es sich, dass wir kurz innehalten und fragen: was ist „Frieden“?

Mir hilft es dabei oft, weitere Wörter zu finden, die ich mit Frieden verbinde. Mir fallen zu Friede diese Begriffe ein: Kein Krieg, Gewaltlosigkeit, sich anerkennen, innere Ruhe, Ausgeglichenheit, Harmonie, Vertrauen, Menschlichkeit. Möchten Sie Wörter ergänzen? …

Was mir noch auffällt: wir haben ein sehr tiefes Bedürfnis nach Frieden. Das spüre ich bei mir, vor allem dann, wenn ich Unfriede erlebe. Ich spüre es bei anderen. Wir tragen ein Friedenssehnen in uns. Je mehr Unfrieden oder gar Krieg wir erleiden mussten, desto stärker wird das Sehnen sein.

Wenn ich dann die Frage stelle: ist denn schon genug Frieden in der Welt, in Bremen, in der Vahr?

Ich vermute auch hier: die Antwort wäre meist „Nein“, es ist noch nicht genug Frieden in der Welt.

Das gehört zu den Rätseln unseres Menschseins. Obwohl sich die aller-, allermeisten nach Frieden sehnen gibt es viel Unfrieden. Wir sind schon seltsam, wir Menschen.

Liebe Gemeinde,

Deshalb ruft Jesus uns auf, Frieden zu stiften. Sich für den Frieden einzusetzen, denn dem Frieden geht es nicht wirklich gut. Damals nicht, heute nicht.

Es gibt Frieden in der Welt - Gott sei Dank. Vielleicht sehen wir mehr Frieden, wenn wir genauer hinsehen und ihn suchen. Es gibt Frieden in der Welt, weil es Menschen gibt, die Frieden stiften. Wie kann ich zur Friedensstifter:in werden?

Frieden beginnt in mir. Friedfertiger kann ich werden, wenn ich meine Unruhen, meine innere Zerrissenheit, meine Selbstzweifel vor Gott bringe, sie ausspreche. Mich mit mir selbst und meinem Leben Schritt für Schritt versöhnen und versöhnen lasse.

Dann Frieden mit den Menschen um mich herum. Wenn in mir mehr Friede ist, kann ich selbst friedlicher auf andere zugehen. Das könnte zum Beispiel sein, dass ich zunächst mein Gegenüber verstehen lerne. Mehr zuhöre, nachfrage, bevor ich antworte. Das ist umso wichtiger, wenn unsere Meinungen sehr auseinandergehen. Nicht über die andere Person urteilen und sie so abwerten.

Alles leichter gesagt als getan, wir wissen das alle…

 

Liebe Geschwister,

Frieden stiften wir, wenn wir uns davon nicht abhalten lassen, auf andere zu zugehen. Selbst mit unseren Vorurteilen, die wir alle haben. Das kann gelingen, wenn wir uns immer wieder bewusst machen: „Ich komme in Frieden.“

Nun, selbst wenn wir in Frieden kommen, dann erleben wir dennoch Rückschläge, kommen manchmal schnell an unsere Grenzen. Manche, die sich in der politischen Friedensbewegung engagiert haben, gaben irgendwann auf. Zu viele Gewehre, zu viel Gewalt, mehr statt weniger.

Frieden - vielleicht lässt es sich so sagen - ist fast immer eine Aufgabe, ganz selten hält er länger, er ist sehr zerbrechlich. Gut, dass „Frieden stiften“ nicht nur eine Aufgabe ist, wir würden gewiss unter der Last der Aufgabe verzweifeln und aufgeben.

Jesus macht uns nämlich im Namen Gottes zugleich eine Zusage: „Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes heißen.“

„Glückselig“ - was für ein schönes Wort, manchmal heißt es schlicht „selig“. Gemeint ist, dass die Frieden Stiftenden beglückt werden, beschenkt. Das kennen alle, denen Frieden geschenkt wurde und sie ihn weiter gegeben haben.

Wenn wir Frieden teilen, vermehrt er sich - zu unserer Glückseligkeit. Kinder Gottes - wir sind es schon durch Gottes Liebe; Kinder Gottes, wir werden von anderen so genannt, heißen so, wenn wir nach Frieden streben. Für den Frieden eintreten, unseren inneren, den in Beziehungen, den zwischen Völkern, es ist nicht vergeblich.

Manchmal frage ich mich, was wir wenige Christinnen und Christen denn überhaupt für den großen Frieden zwischen streitenden Nationen, regiert von Kriegstreibern, tun können. Mir fällt ein: das Gebet für die Frieden. Im Gebet begann schon oft etwas im ganz kleinen. Im Gebet vertraue ich auf Gottes Geisteskraft, die in der Welt wirkt.

Wir dürfen auf Gott an unserer Seite hoffen als seine Kinder. Gott stiftet am Ende der Zeit Frieden, seinen Frieden, der alles übersteigt. Bis dahin wollen wir nicht nachlassen:

„Glückselig sind die, die Frieden stiften. Denn sie werden Kinder Gottes heißen.“

 

AMEN

                                 Pastor Claus Nungesser

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