Veröffentlicht von Susanne Stehr-Murmann am Mo., 27. Sep. 2021 15:40 Uhr

Liebe Gemeinde,

wer wollte bestreiten, dass unsere Welt eine Welt der unaufhörlichen Nachrichten geworden ist? Die Welt ist ein Dorf geworden, so heißt es. Wir bekommen nicht nur das mit, was in unserer Nachbarschaft passiert. Oder auch nicht. Wer zum Beispiel ein Smartphone hat und es nicht nur für Notfälle nutzt, hat wirklich Zugriff auf die ganze Welt. Wir könnten den ganzen Tag nichts anderes tun als Neuigkeiten verfolgen. Ständig auf der Suche, so dass unsere Neu-Gier befriedigt wird. Noch eine Beobachtung, die vielfach beschrieben ist. Es kommen dauernd sehr viele schlechte Nachrichten rein. Das zu merken, dazu reicht eine Woche Tagesschau, Weserkurier, Spiegel-Online, twitter. Und da bin ich nur bei den scheinbar „großen Nachrichtenmedien“. Ich bin noch nicht bei dem riesigen Bereich, den wir „social media“ nennen. Von allem Zuviel. Im Journalismus heißt es „Bad news are good news – schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.“ Offenbar ein Grundgesetz, das heißt: Schlechte Nachrichten ziehen mehr. Doch wollen wir nicht lieber bei (zu vielen) schlechten Nachrichten abschalten? Ja, wenigstens ab und zu. Trotzdem wir kommen davon nicht los, „bad news“ ziehen uns an. Was ich mich frage:

Wie gehen wir denn mit guten Nachrichten um? Was bewirken sie überhaupt? Wer hört sie?

Drei von vielen Fragen, die auch Paulus umtreiben. Damals schon. Hören wir unseren Predigttext aus dem 10. Kapitel des Briefs [Verse 13-17, Übersetzung: Basisbibel] an die Gemeinde in Rom:

„Denn es heißt ja auch „Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Aber wie kann man jemanden anrufen, an den man nicht glaubt?

Oder wie kann man an jemandem glauben, von dem man nichts gehört hat?

Und wie kann man von jemandem hören, wenn es keine Verkündigung von ihm gibt?

Wie aber kann es eine Verkündigung geben, wenn niemand dazu ausgesandt wurde? –

Gerade darüber steht ja in der Heiligen Schrift:

»Willkommen sind die Boten, die Gutes verkünden!«

Aber nicht alle haben auf diese Gute Nachricht gehört. So fragt schon Jesaja:

»Herr, wer hat unserer Botschaft geglaubt?«

Also: Der Glaube kommt vom Hören auf die Botschaft.

Die Botschaft aber wirkt durch den Auftrag, den Christus gegeben hat.

 

Liebe Gemeinde,

was die gute Nachricht ist, von der Paulus ganz am Anfang spricht; darauf komme ich am Schluss, denn diese Nachricht sollten wir alle in unser Herz nehmen, sie mit nach Hause tragen und sie weitergeben

Vorher gehen wir unseren Fragen nach, Fragen, die auch Paulus hat, wir haben sie gehört. Was bewirken gute Nachrichten bei uns? Das könnte die Kernfrage sein.

Damit wir Paulus und uns selbst besser verstehen, nehmen wir doch eine wirklich gute, eine sehr gute Nachricht unserer Tage. Es sind sogar mehrere sehr gute Nachrichten. Zuerst allerdings eine ganz Schlechte, die gehört dazu, sie steht am Anfang.

Sie heißt: Es gibt eine neue Viruserkrankung, die sich rasant ausbreitet und oft zu schweren Krankheiten führt, bis hin zum Tod. Eine Seuche, die weltweit viele Millionen Menschen mitreißt.

Doch schon jetzt kommen die guten Nachrichten:

Gegen diese Krankheit wurden bereits Impfstoffe entwickelt!

Menschen, die sich impfen lassen, sind viel besser vor einer Ansteckung geschützt. Wenn sie sich doch anstecken, was passieren kann, dann werden sie viel seltener schwer krank, weil ihre Körperabwehr besser vorbereitet ist.

Ist das nicht großartig? Wir sind nicht schutzlos ausgeliefert. Wir können uns wappnen gegen die Seuche, die so oft schwere Krankheit und Tod bringt!

Es gibt sogar noch eine richtig, richtig gute Nachricht. Wir leben in einem Land, in dem es Impfstoff für alle gibt. Alle, die es nötig haben, können geimpft werden und die Kosten werden von allen getragen. Das ist so ein Geschenk, wir dürfen hier in diesem Land leben.

Sind das nicht großartige Nachrichten für uns alle?

Paulus schreibt: „Nicht alle haben die gute Nachricht angenommen.“

Ein Szenenwechsel: Wir treffen Wolfgang und Simone, ein Paar, beide Anfang 50. Sie sitzen Samstag beim Frühstück, es gibt für sie seit Wochen nur ein Thema, Corona. Wie bei allen. Was haben sie dazu nicht alles gelesen, von Bekannten gehört. Sie fühlen sich informiert. Sie haben viele Einwände gegen die Impfung. Das ging alles zu schnell mit der Entwicklung, bestimmt wird viel verschwiegen. Niemand kann wissen, wie die Impfung langfristig wirkt. Die ganze Aufregung ist sowieso übertrieben, Corona ist wie Grippe, da haben sie sich auch nicht impfen lassen. Wer weiß, wer alles dahinter steckt und einen Haufen Geld damit verdient. Welche Politiker sich wieder mal bereichert haben, kann man doch alles nachlesen. Nein, sie haben beschlossen: wir fallen nicht auf die Medien rein, wir machen nicht mit. Wolfgang und Simone sind skeptisch, letztlich fehlt ihnen etwas ganz Entscheidendes: das Vertrauen, dass die Nachrichten wirklich gut sind. Sie glauben das nicht.

Paulus schreibt: „Aber wie kann man jemanden anrufen, an den man nicht glaubt?“ Er meint: Gott im Gebet anrufen.

Unsere Beiden, Wolfgang und Simone, sie rufen schon nicht bei ihrer Hausärztin an, um sich impfen zu lassen. Die muss sowieso sagen, dass die Impfung nötig ist, dafür wird sie bezahlt. Sie ist nicht objektiv. Wer weiß, wie sie wirklich denkt…

Paulus schreibt: „Oder wie kann man an jemanden glauben, von dem man nichts gehört hat?“


Liebe Geschwister,

Noch eine kleine Szene, diesmal begegnen wie Marie und Inka. Sie sind Anfang 20, schon seit der Grundschule beste Freundinnen. Sie sitzen in einem Café, genießen ihren kleinen Kuchen und den Tee. Die beiden haben keine Geheimnisse voreinander. Sie haben besprochen, dass sie sich impfen lassen, seit zwei Wochen sind sie durchgeimpft und sehr dankbar darüber.

Ihre Ausbildung zu Kauffrauen beenden sie bald. In ihren Betrieben gibt es viele, die keine Impfung wollen und die das sehr laut sagen. Aus richtig doofen Gründen. Marie und Inka haben sich gut informiert, einige Kolleginnen und Kollegen sind in komischen Gruppen unterwegs, glauben, dass das alles gesteuert wird – was für ein Unsinn.

Die beiden jungen Frauen trauen sich gar nicht, ihre Meinung zu sagen, sie wollen keine blöden Sprüche hören. Sie haben nicht erzählt, dass sie geimpft sind. Neulich bekamen sie einen Brief vom Senat. Dort stand: bitte machen sie als Geimpfte Werbung für das Impfen, damit noch mehr Menschen von der Impfung überzeugt werden.

Inka und Marie sind sich einig: auf der Arbeit werden sie das bestimmt nicht tun, für die Impfung werben.

Paulus schreibt: „Und wie kann man von jemandem hören, wenn es keine Verkündigung von ihm gibt? Wie aber kann es eine Verkündigung geben, wenn niemand dazu ausgesandt wurde?“

Zu oft haben die beiden erlebt, dass sie nicht ganz ernst genommen wurden. Sie sind jung, sie sind noch Azubis.

Da hören die meisten gerade ihnen doch nicht richtig zu, schalten gleich ab oder werden sogar aggressiv. Darauf haben sie keine Lust, verständlich.

Paulus schreibt: „Der Glaube kommt vom Hören auf die Botschaft.“

 

Liebe Geschwister,

ich fürchte, wenn es schon diese guten, Impfnachrichten so schwer haben – wie ist es dann erst um die gute Nachricht bestellt, die im Zentrum unseres Glaubens steht? Sie findet sich in der ganzen Bibel, im jüdischen Alten Testament, im christlichen Neuen Testament. Sie erklingt bis heute in unzähligen Variationen, immer neuen Worten. Gute Nachricht – auf Griechisch, der Sprache des Neuen Testament heißt das „Eu-angelion“ – Evangelium. Was sagt dieses Evangelium, auf dem unser Glaube, unser Vertrauen ruht? Ich zitiere dazu, wie Paulus damals, den jüdischen Propheten Jesaja: „Wer an Gott glaubt, wird nicht zugrunde gehen.“

Ist diese gute Nachricht nicht noch viel viel besser als all‘ die anderen, von denen ich sprach?

Wie eine Impfung ist der Glaube an unseren Schöpfer und Erlöser kein Allheilmittel. Keine Impfung verhindert, dass wir uns nie mehr anstecken und immer gesund bleiben. Kein Glaube schützt uns umfassend vor Tiefen, Unglück, Leid und Sterben.

Doch wie eine Impfung stärkt der Glaube unsere Abwehrkräfte, er stärkt uns für unser Leben. An Gott glaubend zu leben ist eine Lebens-Art, die in der Tiefe weiß, dass alles Lebendige einmalig, kostbar und verletzlich zugleich ist. Wer im Glauben leben darf, dem und der ist eine Gewissheit geschenkt, die über uns selbst hinausweist.

Denn sie umfasst unsere ganze Existenz, sie reicht weiter als unser Leben. Sie sagt uns:

Ihr kommt von Gott - Ihr seid in Gott - ihr kehrt zu Gott zurück.

In Gott, dem Urgrund des Seins, ist das Leben geborgen und gehalten – für immer.

Das ist eine sehr sehr gute Nachricht. Ihr können wir uns anvertrauen und sie weitergeben.

AMEN

                                 Pastor Claus Nungesser

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