Veröffentlicht am Mo., 19. Jul. 2021 11:31 Uhr

pred_3trin_1kön_17_1_16_r3_elia_ölkrug - Pastorin Heike Jakubeit

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

1 Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn. 2 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 3 Geh weg von hier und wende dich nach Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 4 Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. 5 Er aber ging hin und tat nach dem Wort des HERRN und setzte sich nieder am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 6 Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach. 7 Und es geschah nach einiger Zeit, dass der Bach vertrocknete; denn es war kein Regen im Lande. 8 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 9 Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleibe dort; denn ich habe dort einer Witwe geboten, dass sie dich versorge. 10 Und er machte sich auf und ging nach Sarepta. Und als er an das Tor der Stadt kam, siehe, da war eine Witwe, die las Holz auf. Und er rief ihr zu und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke! 11 Und als sie hinging zu holen, rief er ihr nach und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit! 12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim und will's mir und meinem Sohn zubereiten, dass wir essen – und sterben. 13 Elia sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Geh hin und mach's, wie du gesagt hast. Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon und bringe mir's heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas backen. 14 Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden. 15 Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. 16 Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er geredet hatte durch Elia.

 

Die Bibel – Regalbretter mit Büchern, in denen sich viele Textformen und Geschichten finden. In derjenigen, die wir heute gehört haben, geht Elia - der Prophet - eine besondere Beziehung zu einer Witwe ein. Diese Frau bleibt namenlos. Leider erfahren wir nichts weiter über sie. Immerhin wissen wir, dass sie nicht kinderlos ist. Elia und die Witwe: Sie gehen eine Beziehung ein. Scheinbar ganz modern.

Elia wird zur Rettung dieser Frau aus Sarepta. Genau in dem Moment, in dem sie ihrem Leben und dem Leben ihres Sohnes ein Ende setzen will, taucht der Prophet auf. Brot und Öl sichert er ihr auf Vorrat zu - die seinerzeit wichtigsten Lebensmittel.

„Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln.“ Klingt wie eine Wundergeschichte. Gott tut Wunder. Und Wundergeschichten - gehen auch ohne Jesus. Wir teilen den Propheten Elia mit unseren jüdischen Geschwistern. Und auch im Islam ist er bekannt.

Dass Mehl und Öl in diesem kleinen Haushalt in Sarepta - manche nennen den Ort auch Zarpat - verlässlich vorhanden sind, wird einer ganzen Gesellschaft zum Zeichen. Denn, eigentlich geht es um etwas ganz Anderes als dieses große Wunder im Kleinen. Elia kündet dem König Ahab eine Klimakatastrophe an, wenn der sich nicht ändert. So fängt alles an. Weder Tau und Regen soll es geben, bis der König sich ändert. Der König soll wieder auf zu einem Weg mit Gott zurückfinden und keine anderen Götter anbeten. Alle werden Hunger leiden, wenn die Regierungsmacht keine neuen Wege geht.

Nur in Sarepta, im Haus der Witwe, gibt es etwas zu essen. Dort schafft Elia einen Schutzraum.

Ausbleibender Tau und Regen sind keine Seltenheit in einigen Regionen dieser Welt. Fast, als hätte sich ein Fluch über sie gelegt. Nicht, weil sich die Menschen dort schuldig gemacht hätten. Verantwortlich dafür sind wir alle. Die Klimakatastrophe, sie ist Realität.

Den einen fehlt der Regen und die anderen haben viel zu viel davon. Das ist lebensgefährlich. Wir denken in diesen Tagen an alle, die unter diesen Extremen – Hitze und Flut - leiden müssen.

Es scheint, als würden wir unseren Sinn trotzdem nicht ändern wollen. Dabei ist fraglich, ob unser aller Mehl und Öl – unsere Lebensmittel - reichen werden. Könnten sie denn? Allein in Deutschland werfen Verbraucherinnen und Verbraucher pro Kopf etwa 85 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg. In der Summe sind das jedes Jahr Lebensmittel im Wert von circa 20 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Summe, die während der mehrmonatigen Pandemiezeit als Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld gezahlt wurde, war nur wenige Milliarden höher…

„Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln.“ Kann das ein Versprechen sein, auch für uns? Für unsere Zukunft? Welcher Schutzraum würde uns – ohne Elia - zur Verfügung stehen?

Vielleicht könnte es damit beginnen, dass die einen, die etwas zu essen haben, sorgsam mit ihrer Nahrung umgehen. Sie auskosten. Sich fragen, welchen Preis dieses Lebensmittel hat. Ob die Erzeuger und Erzeugerinnen auch davon leben können. Ob es den Boden auslaugt oder ihm am Ende auch wieder etwas an guten Nährstoffen zurückgibt.

Vielleicht könnte es bedeuten, solidarisch mit all dem zu haushalten, was uns zur Verfügung steht. Nicht nur an uns und unser gutes Leben zu denken, sondern an ein „Gutes Leben für Alle“.

 

„Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln.“ Elia garantiert der Witwe und ihrem Sohn alles, was zum Leben nötig ist.

„Fürchte dich nicht!“, ruft er ihr zu. Genau in dem Moment, der für diese Frau wohl der schwerste in ihrem Leben war. Durch die Aufforderung, erst einmal ihm, Elia, etwas Gebackenes zu bringen, findet er einen Weg, ihre Pläne zu durchkreuzen. Er nimmt sie ernst. Wird nicht moralisch. Aber, öffnet ihr eine neue Perspektive: Von sich selbst weg auf einen anderen Menschen hin. Sagt ihr, dass jetzt erst einmal die anderen dran sind – und dann das Ich. Ein Weg, der für die Ich-Gesellschaft, in der wir leben, eine andere Richtung aufweist.

Das wünsche ich mir auch manchmal: Dass ich nicht auf mich, mein Leben und meine Welt bezogen bleibe, sondern ausbrechen kann aus dem, was mich gefangen hält. Dass mir dabei jemand den Mut und das Vertrauen zuspricht, die ich dafür nicht habe. Es ist bestärkend, diese drei Worte zu hören: „Fürchte dich nicht“!

Gleichzeitig wünsche ich mir die Kraft Elias, die andere aus ihrer Verzweiflung reißen kann und ihnen eine neue Sicht auf die Dinge vermittelt. Vielleicht sehr vermessen. Aber, möglicherweise sind wir eben immer beide: Diejenigen, die Hoffnung brauchen und diejenigen, die nach unseren Kräften Hoffnung geben können.

 

Das Mehl im Topf und das Öl, sie erinnern mich an den Tisch, zu dem Gott uns einlädt. An dem er uns all das schenkt, was wir uns nicht selbst geben können und was wir zum Leben nötig haben.

 

Wenn wir uns beim Abendmahl von Gott aufrichten und stärken lassen, dann ist das auch eine Kraft, die wir wieder hineingeben in diese Welt. Einen Geist, der lebendig macht und Hoffnung, die weiterträgt.

 

Scheinbar drei Jahre lang haben sich laut biblischer Überlieferung Elia, die Witwe und ihr Sohn von selbst gebackenem Brot ernährt, bis es endlich wieder regnete.

Es war der Tag, an dem König Ahab erkannte, dass Gott Gott ist, der Allmächtige, der Himmel und Erde geschaffen hat.

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

 

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