Veröffentlicht am Mo., 19. Apr. 2021 11:33 Uhr

Psalm 23: Der gute Hirte.

Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Predigt vom 18. April zu dem Buch Hesekiel, Kapitel 34, Pastorin Annette Niebuhr

Niedergang und Zerstörung liegen hinter dem Volk Israel. Und wie immer bei uns Menschen, fragt auch der Prophet Hesekiel nach den Ursachen der Katastrophe. Das kennen wir ja auch: Wenn etwas Furchtbares passiert ist, fragen wir, wie konnte das geschehen. Wo liegt die Ursache? Wer trägt möglicherweise Schuld daran, dass es so gekommen ist?

Die Schrecken des Krieges und der Vertreibung hat Hesekiel mit seinem Volk erlebt. Und das ist nun die Größe der Propheten und der prophetischen Tradition in Israel.

Im Umfeld Israels wurden die Könige und die Priester als gottähnliche Instanzen, ja als Götter verehrt. Sie waren unantastbar, allmächtig. Ihnen mussten sich die Menschen unterwürfig nähern, absoluter Gehorsam war nötig. Widerspruch war lebensbedrohlich. In diesem Umfeld hat sich in dem kleinen Volk Israel eine andere Einsicht, eine andere Haltung entwickelt. Könige und Priester sind normale Menschen, und ihre Macht und ihre Stellung haben sie von Gott geliehen bekommen.

 Mit ihrer Macht haben die Krieger und Priester Verantwortung bekommen für das Volk und die Menschen. Und wenn sie ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sind, müssen sie kritisiert und zur Verantwortung gezogen werden. Das tut die prophetische Tradition in Israel. Das ist einzigartig damals. Das ist bahnbrechend bis heute.

 Die prophetische Tradition Israels kann uns auch heute schulen, ehrlich und wahrhaftig, genau hinzuschauen, wenn Katastrophen geschehen. Und dabei – das ist das wahrhaft Große – nicht auf andere zu zeigen, sondern sich selbst anzuschauen.

So schaut Hesekiel auf Könige und Priester – also die Führenden im Volk – und auf die Menschen des Volkes, obwohl ihnen das Leid durch andere Völker zugefügt worden ist. Und er kleidet seine Vision, seine große Rede im 34. Kapitel seines Buches in eine Bildrede, in ein Gleichnis gewissermaßen.

Da sind die Hirten und da sind die Schafe. Das ist ein Bild aus der Alltagswelt der Menschen. Und einige von Ihnen kennen diesen Alltag noch aus ihren Kindertagen. Die Hirten haben eine Aufgabe; das Vieh zu hüten. Es zu schützen gegen wilde Tiere. Es zu pflegen bei Verletzung. Nach guter Nahrung und sauberen Wasser zu schauen.

 Und im 2. Teil seiner Bildrede sagt Hesekiel: auch ihr Schafe untereinander habt eine Aufgabe – die Starken dürfen die Schwachen nicht wegdrängen und wegstoßen, nicht mit eigener Rücksichtslosigkeit, Wasser und Weide der anderen zerstören.

 Die prophetische Tradition Israels hat vor 3000 Jahren die Tradition entwickelt, Selbstkritik für alle Teile der Gesellschaft zu schulen und einzuüben. Ein Gewissen zu entwickeln, das sich orientiert an den 10 Geboten, an den Maßstäben  von Gerechtigkeit für alle, an der Einhaltung des Friedens.

 Und die prophetische Tradition bindet das Gewissen daran, dass Gott es ist, der das Leben eines jeden einzelnen Menschen will. Gott – die ewige, barmherzige Gottheit – sie sieht das Elend des Volkes in Ägypten  - und führt hinaus; sie sieht die verdurstende Magd Hagar mit ihrem Sohn Ismael in der Wüste und zeigt einen Brunnen. Sie sieht Joseph – von seinen Brüdern in den Brunnen gestoßen – und es kommt eine Karawane des Weges und er wird gerettet – später rettet er seine Familie vor dem Hungertod – indem sie Asyl bekommt in Ägypten.

 Die ewige, barmherzige Gottheit will auch Israel zu Zeiten Hesekiels, so ist die Heilszusage, neue Wege des Lebens zeigen. Sie will helfen, dass nach der Katastrophe, nach Buße und Umkehr und Läuterung ein neuer gemeinsamer Weg der Gerechtigkeit sich auftut, in dem die Führenden und die Menschen im Volk sich für das Wohl eines jeden Menschen einsetzen.

 500 Jahre später – so erzählt uns die Bibel – wird Jesus von den vielen Menschen, die ihm in der Öde nachlaufen, sagen: sie sind wie versprengte Schafe, die keinen Hirten haben. Und sie werden satt durch ihn, der von sich sagt: ich bin der gute Hirte.

 

Liebe Gemeinde – wie können wir uns heute schulen lassen durch unseren heutigen Predigttext? – Indem wir uns sagen lassen: Schaut genau hin auf die, die Macht haben und euch führen und führen wollen? Wem reden sie nach dem Mund? Mit wem machen sie gemeinsame Sache? Für wen reden sie?

 Wir leben, liebe Gemeinde, in der besten aller Regierungsformen – in einer Demokratie. Das bedeutet auch: Wir haben Verantwortung. Wir dürfen und müssen die Geister unterscheiden lernen. Wir dürfen und können uns informieren und in Diskussionen  miteinander uns eine Meinung bilden und unseren Standpunkt binden an den barmherzigen Gott, der Frieden, Gerechtigkeit und den Schutz der Schwachen für das Leben hier auf der Erde als Ziel beschrieben hat.

 Und dazu, sagt Hesekiel, gehört, dass ihr untereinander euch nicht niedermacht, dass ihr nicht wie Böcke und Widder seid, die mit Gewalt und Stärke der Schwachen vertreten.

 Im Namen des barmherzigen Gottes bittet Hesekiel uns, unser eigenes Gewissen zu schulen: wo bin ich gnadenlos und kein bisschen barmherzig mit einem Menschen oder ganzen Menschengruppe? wie rede ich über andere? Nehme ich anderen die Möglichkeit, sich zu entfalten, zu entwickeln? Oder fördere ich sie durch meine Barmherzigkeit und Unterstützung?

 Im Predigttext heißt es: Gott selbst will unser Hirte sein, dazu braucht er uns, die wir beten: Der Herr, der barmherzige, ist mein Hirte. Wenn wir diesem Hirten und seinen Weisungen folgen, wenn wir durch ihn unser Gewissen schulen lassen und unsere Einsicht standhaft und mutig vertreten, dann sind wir ein Segen für unser Land und für die Erde. Amen

 

Gebet:

  • für die Verstorbene – barmherziger Gott - für die Angehörigen
  • für die vielen an Covid 19 Verstorbenen in unserem Land und in der Welt. Wir wollen glauben, dass Du bei ihnen warst, als sie einsam und allein gestorben sind; dass du sie unter deine Flügel und dann auf deine Schwingen genommen hast, als das Ringen um Atem immer schwerer wurde, und sie es aufgeben mussten. Gott, wir glauben sie alle in deiner Barmherzigkeit Schoß.
  • für die vielen Angehörigen, die auf diesem letzten Weg ihren Lieben nicht nahe sein durften, ihnen nicht die Hand halten und sie streicheln, nicht von ihnen Abschied nehmen durften. Ein Leben lang wird sie das begleiten – hilf ihnen mit dem Trost, dass du bei ihren Lieben warst; hilf ihnen mit Menschen, die ihnen zuhören, beistehen, sie begleiten. Hilf uns als Kirche und Gemeinde, ihnen eine verlässliche Begleiterin zu sein.

Gott – unser Leben ist voll Sorge um die Zukunft und unser Zusammenleben. Gott, wir klagen dir unsere Not und bitten dich gleichzeitig um Beistand und deinen Heiligen Geist für alle Entscheidungen im Großen wie im Kleinen. Alles fügen wir zusammen indem wir gemeinsam mit Jesus beten: Vater unser im Himmel…

 

 

 

 

 

 


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