Veröffentlicht von Claus Nungesser am Fr., 2. Apr. 2021 16:24 Uhr

Liebe Gemeinde, liebe Geschwister,

Karfreitag 2021 ist ein besonderer Tag, nicht nur, weil heute Karfreitag ist.

Karfreitag gedenken wir des Lebens und vor allem des Sterbens Jesu von Nazareth. Für Christinnen und Christen in aller Welt ein besonderer Tag.

Karfreitag dieses Jahr steht auch wieder im Zeichen der Pandemie, wie letztes Jahr.

Gott sei Dank dürfen wir uns zum Gottesdienst versammeln, zugleich haben wir großes Verständnis dafür, wenn Sie nicht dabei sein möchten, wenn wir zur Todesstunde Jesu zusammen kommen.

Dafür ist dieser „Gottesdienst zum Mitnehmen“ gedacht. Vielleicht können die Worte und Texte einen Eindruck davon geben, in welchem Glauben wir miteinander verbunden sind – im Gottesdienst und darüber hinaus.

Herzliche Grüße von Pastor Claus Nungesser             

Begrüßung und Votum

Wir kommen auch heute zusammen im Namen Gottes

den Jesus Abba, Vater, nennt und der alles geschaffen hat

wir kommen zusammen in Jesus Christus, ein Mensch wie wir und doch so anders

wir kommen zusammen durch Gottes Geist, der Jesus Kraft gab, das Schwere des Lebens anzunehmen und zu tragen

in diesen Namen Gottes kommen wir zusammen – Amen          

 

Lied – O Haupt voll Blut und Wunden

O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßet seist du mir!

Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut das große Weltgewichte: wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht, dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht'?

Der 22. Psalm – Jesus sprach ihn, als er am Kreuz hing

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich,

doch antwortest du nicht, und des Nachts,

doch finde ich keine Ruhe.

 

Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter und Mütter hofften auf dich;

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet,

sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

 

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,

ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

Alle, die mich sehen, verspotten mich,

sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

»Er klage es dem Ewigen, der helfe ihm heraus und rette ihn,

hat er Gefallen an ihm.«

 

Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;

du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.

Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,

du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;

denn es ist hier kein Helfer.

 

Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt.

Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe.

Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Gebeine haben sich zertrennt;

mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.

Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe,

und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.

Denn Hunde haben mich umgeben,

und der Bösen Rotte hat mich umringt;

sie haben meine Hände und Füße durchgraben.

Ich kann alle meine Gebeine zählen;

sie aber schauen zu und weiden sich an mir.

Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.

 

Aber du, Gott, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Errette mein Leben vom Schwert,

mein einziges Gut von den Hunden!

Hilf mir aus dem Rachen des Löwen

aus den Hörnern der wilden Stiere antwortest Du mir

 

Ich will deinen Namen kundtun meinen Geschwistern,

ich will dich in der Gemeinde rühmen:

Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehrt ihn, all ihr Nachkommen Jakobs, und scheut euch vor ihm, all ihr Nachkommen Israels!

Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und da er zu ihm schrie, hörte er's.

 

Dich will ich preisen in der großen Gemeinde,

ich will mein Gelübde erfüllen vor denen,

die ihn fürchten.

Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden;

und die nach dem HERRN fragen,

werden ihn preisen;

euer Herz soll ewiglich leben.

Es werden gedenken

und sich zu Gott bekehren aller Welt Enden

und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Völker.

 

Denn des Ewigen ist das Reich,

und er herrscht unter den Völkern.

Ihn allein werden anbeten alle Großen auf Erden;

vor ihm werden die Knie beugen alle,

die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten.

Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen;

von Gott wird man verkündigen Kind und Kindeskind.

Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk,

das geboren wird. Denn er hat's getan. AMEN

DAS EVANGELIUM VON JESU HINRICHTUNG NACH MARKUS, Kapitel 15

Liebe Gemeinde,

die vier Evangelien des Neuen Testaments gleichen sich sehr darin, wie sie über die  Geschichte von Jesu Verurteilung, Verspottung und Kreuzigung berichten. Im Markusevangelium ist diese Passionserzählung ein zentraler Teil seines Evangeliums.

Die Erzählung läuft auf das Bekenntnis eines Menschen hinaus, der Jesus zuvor nicht kannte: „Dieser Mensch war Gottes Sohn“. Darin wird die Bedeutung Jesu von Nazareth für den christlichen Glauben von Anfang an benannt:

Jesus ist der Christus, so eng mit Gott verbunden, dass er „Sohn Gottes“ genannt wird.

„Nachdem sie Jesus so verspottet hatten,

nahmen sie ihm den Mantel ab

und zogen ihm seine eigenen Kleider wieder an.

Und sie führten Jesus aus der Stadt,

um ihn zu kreuzigen.

Da kam ein Mann vorbei.

Es war Simon von Kyrene,

der Vater von Alexander und Rufus.

Er kam gerade vom Feld zurück.

Den zwangen sie, für Jesus das Kreuz zu tragen.

 

Und sie brachten ihn zu der Stelle, die Golgota heißt,

das bedeutet übersetzt »Schädelplatz«.

Sie wollten ihm Wein zu trinken geben,

der mit Myrrhe versetzt war. Aber er nahm ihn nicht.

Dann kreuzigten sie ihn.

Sie verteilten seine Kleider und losten aus,

wer was bekommen sollte.

Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

Auf einem Schild stand der Grund für seine Verurteilung:

»Der König der Juden«.

 

Mit Jesus kreuzigten sie zwei Verbrecher.

Den einen rechts, den anderen links von ihm.

Die Leute, die vorbeikamen, lästerten über ihn.

Sie schüttelten ihre Köpfe und sagten:

»Ha! Du wolltest doch den Tempel abreißen

und in nur drei Tagen wieder aufbauen.

Rette dich selbst! Steig vom Kreuz herunter.«

Genauso machten sich die führenden Priester

zusammen mit den Schriftgelehrten über ihn lustig.

Sie sagten:

»Andere hat er gerettet. Sich selbst kann er nicht retten.

Der Christus, der König von Israel,

soll jetzt vom Kreuz herabsteigen.

Wenn wir das sehen, glauben wir an ihn.«

Auch die beiden Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt waren, verspotteten ihn.

 

Es war die sechste Stunde,

da breitete sich im ganzen Land Finsternis aus.

Das dauerte bis zur neunten Stunde.

In der neunten Stunde schrie Jesus laut:

»Eloí, Eloí, lemá sabachtháni?«

Das heißt übersetzt:

»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«

 

Als sie das hörten,

sagten einige von denen, die dabeistanden:

»Habt ihr das gehört? Er ruft nach Elija.«

Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig,

steckte ihn auf eine Stange und hielt ihn Jesus zum Trinken hin.

Er sagte: »Lasst mich nur machen!

Wir wollen mal sehen, ob Elija kommt und ihn herunterholt.«

Aber Jesus schrie laut auf und starb.

 

Da zerriss der Vorhang im Tempel

von oben bis unten in zwei Teile.

Ein römischer Hauptmann stand gegenüber vom Kreuz.

Er sah genau, wie Jesus starb. Da sagte er:

»Dieser Mensch war wirklich der Sohn Gottes.«

AMEN

DIE ALTARKERZEN UND DIE OSTERKERZE WERDEN VERLÖSCHT

Meditation – „Da geht ein Mensch“

Da geht ein Mensch

Sein letzter Weg

Er weiß es

Schwer - zu schwer

Das Kreuz, sein Kreuz

Schmerz, großer Schmerz

Sein Leib, so jung

Doch so geschunden

So verletzt

So gequält

Sein letzter Weg

Jeder Schritt auf den Tod zu

Er stirbt vor anderen im Spott

Nicht allein, nicht in Frieden

Nicht so, wie so oft auf seinem Weg vor Jerusalem:

Allein im Gebet, im Frieden, in Gott

jetzt: nicht allein, doch einsam, ohne Gott

 

Da geht Gott

Sein letzter Weg

Gott weiß es

Weicht nicht aus

Will es

Will ganz Mensch sein

Mit Schmerz

Mit Qual

Mit Sterben.

Jeder Schritt auf den Tod zu

Biegt nicht ab in die Macht hinein

Macht seinem Leid kein Ende

Macht sich ohnmächtig

Vor Menschen

Vor dem Tod

Vor sich selbst

Schreit sich an

Hat sich selbst verlassen

Will es

 

Da gehen Mensch und Gott

In einem

In einem Weg, ihr letzter Weg

In einem Schmerz, ihr ganzer Schmerz

In einem Sterben, vor allen

In einen Tod - für alle.

 

Fürbitten

Unser Gott,

Jesus, unser Bruder, er hat sich mit uns verbunden, ganz eng.

Er hat kein Leiden, nicht einmal den Tod gescheut,

um uns zu lösen von der Macht des Todes,

der wir nichts entgegen bringen können.

Wir danken dir,

dass du uns Deinen Sohn so zum Bruder hast werden lassen,

der uns zur Seite steht, wenn auch wir leiden müssen.

Wir bitten Dich, dass wir annehmen,

was am Kreuz geschehen konnte, weil Jesus als Liebender nicht zurückwich:

Versöhnung mit uns selbst und anderen,

mit der Schöpfung und mit Dir.

 

Wir bitten Dich für die Menschen

in der Nähe und in der Ferne, die leiden müssen, Schmerzen aushalten

und den Weg des Sterbens gehen.

Wir bitten Dich für die Menschen,

die daran leiden, weil sie nicht wissen, wie sie mit ihrem Leid umgehen können.

 

Wir bitten Dich für die Trauernden,

die einen geliebten Menschen verloren haben,

und die nun nicht mehr weiter wissen, die sich unsicher und allein fühlen.

Wir bitten Dich für die Einsamen,

dass sie sich in ihrer Einsamkeit nicht aufgeben,

dass sie ein offenes Ohr finden für ihre Sorgen und Nöte

und dass sie den Mut haben, zu dir zu beten.

 

Wir bitten für die, denen Unrecht geschieht, die ohne Grund im Gefängnis sitzen,

deren Rechte verachtet werden, die ohnmächtig sind.

Stärke sie und tröste sie, lass‘ ihr Unrecht ein Ende finden.

Wir bitten Dich für die,

denen es schwerfällt zu beten,

die keine Worte finden, mit denen sie sich an Dich wenden können.

Sei ihnen nahe und schenke ihnen Deinen Geist,

der uns beten und vertrauen lehrt. Amen.

 

Vater Unser

Vater unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit. Amen.

 

Lied – Holz auf Jesu Schulter

1 Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2 Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3 Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Segen

Unser Gott segne Dich, Gott behüte Dich,

Gott lass‘ sein Angesicht über Dir leuchten, Gott sei Dir gnädig

Gott erhebe sein Angesicht auf Dich – und schenke Dir Frieden. AMEN

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