Veröffentlicht von Claus Nungesser am Mo., 8. Feb. 2021 10:45 Uhr

Liebe Gemeinde, liebe Geschwister,

die erste Konsequenz, die ich gezogen habe, nachdem ich den Predigttext intensiver gelesen habe ist diese: die heutige Predigt wird kürzer. Denn ich habe gemerkt: es gibt (mir) zu viele Worte in der Welt, das erschwert uns, dass wir gut zuhören.

Zunächst lese ich uns den Predigttext aus dem Lukasevangelium vor. Es ist ein Gleichnis Jesu, eines von Vielen. Gleichnisse erzählt Jesus, damit die, die ihn hören, sich etwas behalten und zu Herzen nehmen. Jesus erzählt Geschichten aus seiner damaligen Welt, heute ist  es eine bäuerliche Geschichte von einem Menschen, der Saat aussäte:

„Als wieder einmal eine große Menschenmenge aus allen Städten zusammengekommen war, erzählte Jesus dieses Gleichnis:

»Ein Bauer ging aufs Feld, um sein Getreide auszusäen.

Als er die Körner ausstreute, fielen ein paar von ihnen auf den Weg. Sie wurden zertreten und von den Vögeln aufgepickt.

Andere Körner fielen auf felsigen Boden. Sie gingen zwar auf, aber weil es nicht feucht genug war, vertrockneten die Pflänzchen.

Wieder andere Körner fielen mitten ins Dornengestrüpp. Dieses schoss zusammen mit der jungen Saat in die Höhe, so dass es sie schließlich erstickte.

Die übrigen Körner aber fielen auf fruchtbaren Boden, gingen auf und brachten das Hundertfache der Aussaat als Ertrag.«

Nachdem Jesus das gesagt hatte, rief er: »Wer Ohren hat, der soll gut zuhören!«“

            [Lukasevangelium Kapitel 8, 4-8: Übersetzung „Hoffnung für alle“]

In diesem Gleichnis gibt Jesus zunächst gar keinen Anhaltspunkt dafür, in welche Richtung sein Gleichnis zu verstehen ist. Erst etwas später lesen wir bei Lukas eine Deutung dazu. Die ist so etwas wie eine Lesehilfe, um das Gleichnis zu verstehen.

Was uns Jesus, Gott, heute mit dieser Geschichte eines Bauern sagen könnte, das herauszufinden, das ist unsere gemeinsame Aufgabe.

Die Geschichte selbst ist nicht schwer zu verstehen. Das Wissen vor allem die, die selbst schon etwas gesät haben. Eine Saat wächst dann gut, wenn sie einen guten Boden hat, wenn es genügend, aber nicht zu viel regnet. Wenn die Sonne optimal scheint. Und natürlich ist der richtige Zeitpunkt wichtig. Dann bringt eine Saat reichlich Frucht. Schon jetzt im Februar kann man Erbsen und Spinat säen, damit sie gut wachsen.

Einen wichtigen Hinweis, wie wir mit dem Gleichnis heute noch etwas anfangen können, gibt der letzte Satz: „wer Ohren hat, der soll gut zuhören.“ Das meint einmal das Gleichnis selbst. Nur wer gut zuhört, kann es verstehen. Gut meint aufmerksam, hörbereit, bereit etwas zu lernen. Nicht nur Ohren haben, sondern sie auch gut gebrauchen, dazu ermuntert Jesus die Hörenden.

Liebe Geschwister,

Mein Eindruck ist, dass wir in unserer modernen Welt so viele Geräusche gibt, so dass wir den ganzen Tag Worte um uns haben könnten. Ein Radio oder ein Fernseher, der ständig läuft. Telefon, Youtube-Videos, diverse soziale Medien und apps.

Bilder und Töne können immer um uns sein und bei Vielen sind sie es auch. Ich fühle mich oft überfordert und genervt von so vielen Tönen. Zugleich fällt mir Stille um mich oft genauso schwer, dann tönt es in mir weiter.

Töne / Worte sind für unser Ohr und für unser Hirn wie der Same, der im Gleichnis ausgestreut wird. Viel Gesäusel fällt auf den Weg, ist sofort wieder weg. Manche Worte und Sätze beschäftigen uns länger, manche lernen wir sogar richtig: in der Schule chemische Formeln, Rechtschreibung, englische Vokabeln. Doch ich kenne das von mir sehr gut, als Schüler, Student, bis heute: die Ablenkung ist so nah, wächst wie Dornen mit auf und erstickt das, was ich so mühsam gelernt habe. Ich fange fast wieder von vorne an mit dem Aussäen, mit dem Behalten.

Mit meinen Worten jetzt wird es genauso sein: die meisten sind sofort wieder vergessen, spätestens in einigen Tagen werde ich mich selbst kaum erinnern, was ich gesagt habe. Vieles, was wir hören - letztlich verdorrt es auf den Felsen oder erstickt.

Nun, was wären denn überhaupt gute Früchte, Same der aufgeht und viel Frucht bringt? Worte, die mehr sind als Schall und Rauch, Worte, die bleiben und Gutes bei uns wirken, also Frucht bringen? Für Jesus sind das Worte Gottes, das Früchte tragen sollen. Das Wort, das er selbst Menschen nahe, zu Herzen bringen wollte - und will.

Gottes Worte, die den Weg zu uns suchen. Welche Früchte könnten sie in uns tragen?

Gottes Worte, auch durch Menschen zu uns gesprochen,

sie wollen uns trösten, wenn das Leben mal wieder schwer ist.

Sie wollen uns stärken für unseren Weg.

Sie rufen uns zurück, wenn wir auf dem falschen Weg sind.

Sie wollen uns Hoffnung schenken für dieses Leben und darüber hinaus.

Sie zeigen uns, dass wir vor Gott alle gleich wertvoll sind.

Sie ermuntern uns, füreinander da zu sein, aufeinander zugehen. …

Gottes Worte sprechen uns an, damit unser Leben und unser Miteinander Früchte trägt.

Doch auch hier: was von den segensreichen Worten Gottes erreicht uns, bewirkt etwas, fällt auf fruchtbaren Boden? Wenn ich mich so ansehe: eher wenig. Deshalb ist gut, wenn wir immer und immer wieder wohltuende oder aufrüttelnde Worte auf uns wirken lassen.

Wie können wir - im Bild des Gleichnisses - fruchtbarer Boden werden? Können wir überhaupt etwas dazu tun? Ich meine: Ja und Nein. „Nein“, weil Gottes Geist frei ist und es ein Geschenk ist, wenn Gutes in uns reift. Und „Ja“, weil Menschen des Glaubens erfahren haben, dass sie sich empfänglich machen können für den Samen der Lebensworte Gottes.

Wie können wir uns empfänglich machen? Es gibt zwei uralte christliche, nein religiöse Praktiken, an die ich heute erinnere. Einmal die Bedeutung der Stille. Wie können wir uns Worte des Lebens zu Herzen nehmen, wenn wir nicht gut zuhören? Dazu hilft uns Stille, ein Ort, wo wir zur Ruhe kommen, äußerlich und innerlich. Wo die laute Welt um uns draußen bleiben muss. Wo sich unser Geist beruhigt und Gott uns das Ohr wecken kann. Seit jeher suchen Menschen in Meditation, Stille und Gebet nach Gott und seinem heilenden Wort.

Die andere religiöse Praxis ist das Lernen von Texten. Nicht für eine Prüfung, sondern beispielsweise für unser Lebens.  Im Englischen heißt auswendig lernen „learn by heart“ - mit dem Herzen lernen. Schöner kann man es nicht sagen. Gute Worte, die Gott in unser Leben spricht. Etwas lernen „by heart - mit dem Herzen“, damit es gute Früchte trägt.

Deshalb habe ich zum Schluss eine kleine und feine Auswahl von Worten der Bibel, unseren heiligen Schriften. Nehmen Sie doch eines in Gedanken mit und bewegen es einmal in einer Stille, mit Muße, vielleicht sogar „learn by heart“:

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ (aus Psalm 23)

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (aus Psalm 121)

„Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ (aus Psalm 31)

„Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass Dich behüten auf allen Deinen Wegen.“ (aus Psalm 91)

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ (aus dem Brief an die Galater, Kapitel 5)

„Selig sind die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 5)

AMEN                    

          Pastor Claus Nungesser

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