Veröffentlicht am Fr., 25. Dez. 2020 12:15 Uhr

Liebe Gemeinde,

die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium erzählt von den Engeln, die den Himmel öffnen und das Wort aus dem Himmel auf die Erde bringen – „Fürchtet Euch nicht“

Das Matthäusevangelium fügt eine andere Geschichte hinzu. „Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten“.

Ihnen öffnet sich die himmlische Botschaft mit einem Stern, und dieser Stern führt sie über einen Umweg über das Machtzentrum Jerusalem in das kleine Dorf Bethlehem – übersetzt heißt es: `Haus des Brotes`. Hier also in Bethlehem im Stall bei dem Kind ist das Brot zu finden, das uns satt macht, das unseren Hunger stillt nach Brot, das aus dem Himmel kommt; nach Brot, das wir auf unserer Erde so dringend brauchen.

Mag sein, dass Matthäus anknüpft an die kosmische Konstellation des Jahres 7 vor unserer Zeitrechnung, in der Jupiter und Saturn sich so nahe gekommen sind, noch näher, als wir es in diesem Jahr beobachten konnten.

Aber wesentlicher ist für mich die Erkenntnis, dass die Rede von dem Stern über dem Stall eine bildliche und eine symbolische Rede ist. Die Weisen und Sterndeuter schauen voller Sehnsucht in den Himmel, weil das Leben auf der Erde diese furchtbare dunkle Seite hat. Sie halten am Himmel Ausschau, ob nicht Rettung in Sicht ist, ob da nicht ein Licht am Himmel ist, das auf den Lichtbringer auf Erden zeigt.

Und dafür machen sie sich auf den Weg, durchqueren Wüsten, durchleiden Strapazen, trotzen Gefahren – und wo ist das Ziel? Die Botschaft des Himmels mit dem Stern sagt: Da unten im Stall, da wo es kalt ist, da, wo Menschen unterwegs sind und kein Zuhause haben, da ist das Ziel der Reise.

Wenn du die Bedürfnisse der Menschen in dem Stall siehst, dann wird das Dunkel hell, dann bist du am Ziel deiner Lebensreise angekommen.  

Haben Maria und Joseph sich wohl manches Mal gefragt: Steht unser Leben, unser auferzwungener Weg von Augustus und Quirenius unter einem guten Stern?

Fragen wir uns das auch manchmal? Unter welchem Stern steht mein Leben – mit allem, was da war und was da ist, und was da kommen wird? Unter welchem Stern stand das zuendegehende Jahr?

An unseren Weihnachtsbäumen hängen seit jeher Sterne. Sie zeugen von dem Stern über Bethlehem über dem Stall, über Maria und Joseph und dem neugeborenen Kind. Die drei waren in höchstem Maße bedroht. – Und über ihnen leuchtet der Stern, der die Botschaft des Engels aufnimmt: `Fürchtet euch nicht`.  

Nein, der Stern macht nicht den Tag, aber er leuchtet in der Dunkelheit. Für Maria und Joseph waren es dunkle Zeiten, und auch uns kommen diese Monate wohl oft dunkel vor, und wenn wir in die Welt schauen, dann sehen wir, wie groß die Finsternis ist, die das Leben so vieler Menschen bedeckt. Aber da steht der Stern über dem Stall von Bethlehem – und über allen Wohnungen, Zelten und Planen; über allem Leben, das geboren ist, steht der gute Stern, der leuchtend sagt: `du Menschenkind bist ein Königskind, ein Kind des Himmels. Du gehst deinen Weg auf der Erde mit all den Schatten und Dunkelheiten, mit all den Entbehrungen und Gefahren; aber über dir leuchtet der Stern, der dir Kunde gibt: das Licht, das dir leuchtet, ist stärker als die Schwachheit`. Der Stern von Bethlehem und der Stern am Weihnachtsbaum zeugen davon und erinnern uns – jedes Jahr aufs Neue.

Das ewige Licht leuchtet in dein Herz und erleuchtet dein Leben. Das ewig Göttliche, das Unvergängliche wohnt in dir. Behalte, bewege und bewahre das in deinem Herzen – wenn du in das Neue Jahr gehst. Sieh auf den Stern, lass ihn leuchten in dein Leben und höre in deinem Herzen: `Fürchte dich nicht`.  

Ja liebe Weihnachtsgemeinde – ich glaube, wenn wir diese gute Botschaft in uns wirken lassen, dann breitet sich Frieden in uns aus, dann werden wir stark –auch für die großen Aufgaben, die vor uns als Menschheit liegen; dass wir dann auch lernen können zu verzichten, und nicht zu denen unterwegs sind, die uns noch mehr versprechen, oder wollen, dass es so bleibt wie es ist. Sondern dass wir uns – wie die Weisen – aus dem Morgenland führen lassen zu den Menschen, die unten sind.  

So glaube ich, liegt unsere Aufgabe hier auf der Erde, die Erde zu gestalten und nicht zu den Sternen zu greifen. Ich glaube, wir sind auf die Erde gesandt, mit dem Licht des Himmels in uns, die Erde für alle zu einem Lebensort zu machen, zu Bethlehem, zum Haus des Brotes. So soll es doch sein für alle neugeborenen Kinder. Darüber leuchtet der Stern. Amen.

Möge das Licht der Heiligen Nacht

dich wärmen und trösten

Möge der Stern der Weisen

dich auf den Weg zum Brot führen

Möge die Kraft der Engel

dich beflügeln und heilen

Möge der Mut der Hirten

dich aufrichten und losschicken

Möge die Hoffnung der Maria

dich tragen und begleiten

Möge der Glaube des Joseph

dich leiten und stärken

Möge die Liebe des Kindes

dich umhüllen und nähren

 

So geht in die Nacht

erleuchtet von dem Stern Bethlehems,

der von dem Segen Gottes für die Welt erzählt -

Gott lasse leuchten sein Angesicht über euch und sei euch gnädig.



Gott hebe sein Angesicht auf euch und gebe der Welt und uns Frieden.  

Pastorin Annette Niebuhr


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