Veröffentlicht von Angela Walther am Fr., 25. Dez. 2020 12:00 Uhr

Predigt zum Mitnehmen vom 1. Weihnachtsfeiertag 2020  

Ich bitte Sie, die Klappkarten, die Sie auf Ihrem Platz gefunden haben, zur Hand zu nehmen und noch zugeklappt zu lassen. Sie sehen ein weihnachtlich geschmücktes Fenster. Was sich hinter diesem Fenster zuträgt, werden Sie zu einem späteren Zeitpunkt während der Predigt erfahren.  

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Liebe Gemeinde, hört Worte des Propheten Jesaja:  

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König! 8 Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden es mit ihren Augen sehen, wenn der HERR nach Zion zurückkehrt. 9 Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.  

Diese Botschaft ist uns überliefert bei Jesaja 52,7-9.  

Wie lieblich sind (…) die Füße der Freudenboten!  

Die Klingel schellt. Rosemarie eilt zur Wohnungstür, drückt den Summer. Unten im Treppenhaus geht die Haustür. Kleine, eilige Schritte sind zu hören, halten kurz inne. Eine Kinderstimme, Rosemarie versteht nicht genau. Dann die Worte der Mutter: „Ja, gleich sind wir bei Tante Rosemarie.“ Schwere Schritte von Männerstiefeln folgen. Auch der junge Vater stapft nun die Treppe hinauf, ein Geschenk unter dem Arm. „Tante Rosi!“ ruft die kleine Paula. Die letzten Stufen nimmt sie wie im Flug und fällt ihrer Großtante in die Arme.  

So war es früher jedes Jahr. Rosemarie seufzt. Jetzt ist Paula schon viel älter. Besucht schon die weiterführende Schule. Heute werden ihre fröhlichen Schritte nicht mehr über den Flur hallen. Denn dieses Jahr bleibt der Besuch am Vormittag des ersten Weihnachtstages aus. Corona. Wir wollen einander keinem Risiko aussetzen, das haben sie und ihre Nichte einhellig so entschieden. Was nützt es! Da muss sie durch. Diesen Tag bekommt sie auch irgendwie herum. Verstohlen wischt sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel.  

Das erste Mal, seit sie denken kann, ist Paula am Morgen des ersten Weihnachtstags zu Hause. Als Mutter und Vater ihr erklärten, dass sie Tante Rosemarie dieses Jahr nicht besuchen würden, war sie zuerst sehr traurig. Und wie traurig würde Tante Rosi erst sein! Doch dann schmiedeten sie einen Plan. Am Nachmittag würden sie sich per Videokonferenz sehen. Darauf freut sich Paula jetzt. Sie hat es sich in ihrem Zimmer gemütlich gemacht. Die Laterne vor dem Fenster angezündet und auch die Kerze auf dem Schreibtisch.

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Paula sitzt auf dem Fußboden und stellt sich Tante Rosis Gesicht vor. Zunächst etwas betrübt, doch dann, wenn Paula ihre Geige nehmen und für sie spielen wird, werden sich die Gesichtszüge rasch aufhellen. Und wenn Tante Rosi dann das Paket öffnen darf, das sie ihr geschickt haben und den von Paula selbst gestrickten Schal entdeckt, wird sie dann nicht staunen und strahlen? Paula lächelt in sich hinein.    

Eine Freudenbotschaft bahnt sich ihren Weg. Heute geht das digital. Früher mussten die Freudenboten noch weite Wege laufen. Gebirge überwinden. Grenzen. Bis in ferne Städte gelangen. Ja bis hin in das gelobte Jerusalem, das noch in Trümmern lag. Immer getrieben von der einen frohen Botschaft, die zu überbringen das Ziel war. Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems! Dann werden die Israeliten die Freudenboten anschauen aus ihren abgestumpften und enttäuschten Augen. Rings um sie Ruinen, verfallene Häuser. Wilde Esel ziehen ihre Bahn. Käuzchen rufen aus den Gemäuern. Endlich hatten sie zurückkehren können in ihre Heimatstadt Jerusalem. Doch so hatten sie sich das hier nicht vorgestellt. Es ist nicht alles wieder gut geworden für sie. Und ihr, liebe Boten, bringt uns Worte Jesajas von Heil und Frieden und Glück? Ja, wo soll sich das Heil denn hier verstecken zwischen Schutt und Asche?  

Rosemarie hatte sich streng vorgenommen, sich nicht gehenzulassen an diesem Weihnachtstag. Doch jetzt in ihrem Sessel hat die Schwermut sie wieder gepackt. Was wohl heute in einem Jahr sein wird? Ob sie sich dann wieder alle sehen werden? Ob sie dann überhaupt noch fit genug sein wird, die Gäste zu beköstigen? Der Gong der Pendeluhr schlägt. 14:00 Uhr. Nur noch 1 ½ Stunden bis zur Videokonferenz. Der Computer nebenan ist schon angeschaltet. Rosemarie hätte nie geglaubt, dass sie sich je mit solcher Technik würde anfreunden können. Leichter Stolz durchfährt sie. Ihr Herz klopft schneller. Auf dem Bildschirm werden sie sich nachher zuwinken. In Gedanken fliegt sie schon jetzt zu Paula und deren Eltern. Plötzlich bricht sich Vorfreude Bahn.  

Paula sitzt noch immer auf dem Fußboden ihres Zimmers, hat sich ans Bett gelehnt, ihr Buch in den Schoß gelegt. Träumt vor sich hin. Die Kerze flackert. Der Kerzenständer ist ein Engel, der das Licht auf dem Kopf balanciert. Paula lächelt den Engel an. Blinzelt. Hat der Engel zurückgelächelt? Oder ist sie nur zu müde? Am Fenster hängt der blaue Stern, den sie gebastelt hat. War da was? Gerade hat der Stern einen winzigen Moment aufgeleuchtet. Kann das sein? Paula schließt die Augen. Träumt sich hinein in eine andere Wirklichkeit. Türen öffnen sich.   

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Ein Sprung durch Raum und Zeit. Ein Stall. Eine Krippe. Ein junges Paar mit einem Neugeborenen. Maria und Josef heißen sie. Sie haben nur noch Augen für ihren Sohn Jesus. Dabei fehlt es ihnen an fast allem. An Kinderkleidung, an einem Bettchen an einem warmen Feuer. Doch für Sorgen gibt es hier in diesem Moment keinen Raum. Und Freudenboten sind schon unterwegs: Ein Licht erstrahlt in der Nacht. Ein Engel verkündet einer Gruppe Hirten die Geburt des göttlichen Kindes. Die Hirten brechen auf. Können es kaum erwarten, die himmlischen Worte weiterzusagen. Laufen eilend zur Krippe. Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen, die da sagen zu Zion: Dein Gott ist König! Weitere Freudenbringer sind aufgebrochen. Ein Stern erstrahlt hell und weist königlichen Männern aus dem Morgenland den Weg. Sie reiten mit Kamelen, Geschenke im Gepäck.    

Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der HERR hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst! Gott sendet seine Freudenboten durch die Zeiten hindurch immer wieder aus: Die heimgekehrten Israeliten erlebten den Wiederaufbau ihrer Stadt mit. Bei Maria und Josef machte königlicher Besuch seine Aufwartung. Und auch heute am ersten Weihnachtsfeiertag sollte das Mädchen Paula während ihres Geigenspiels noch erleben, wie ihrer Tante Rosemarie vor dem Bildschirm die Freudentränen kämen.  

Seid fröhlich und jubelt miteinander (…) denn der HERR hat sein Volk getröstet. Weihnachtliche Freude lässt sich nicht aufhalten. Nicht selten trifft sie auf Menschen, die enttäuscht und betrübt sind.

War da was? Leise! Nur mit dem Herzen lässt es sich hören. Eine Freudenbotschaft auch für uns:

Jesus ist geboren! Gott ist Mensch geworden! Freut Euch! Halleluja!    

Gesegnete Weihnachten wünscht Ihnen Ihre Pastorin Angela Walther

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