Veröffentlicht von Angela Walther am Mo., 21. Dez. 2020 12:00 Uhr

Predigt zum Mitnehmen vom 4. Advent 2020

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

ich lese unseren Predigttext aus .1 Mose 18, 1-2.9-15:

Und der Herr erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. 2Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde.

9Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. 10Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. 11Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. 12Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt!

13Da sprach der Herr zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? 14Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. 15Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Liebe Gemeinde,

Sara hat gelacht! Kommen einfach drei Männer daher und behaupten: „Übers Jahr soll Sara (…) einen Sohn haben“. Jetzt, wo sie schon so alt ist! Wer sind die drei eigentlich? Können sie ermessen, wie es ist, kinderlos zu bleiben? Können sie wissen, was sie alles schon versucht hat? Nichts hat geholfen. Nun ist Sara alt. Sie hat genug Lebenserfahrung. Sie hat genug Frauen erlebt, denen es ebenso ging wie ihr. Auch sie sind kinderlos geblieben. Jetzt sollte es ausgerechnet ihr, Sara, anders gehen? Ha! Was die drei Männer ihr sagen, ist für sie nur ein schlechter Trost.

Vermutlich können viele Frauen und Männer Sara verstehen. 15 Prozent aller Paare in Deutschland sind ungewollt kinderlos. Manche leiden sehr darunter. Einigen fällt es schwer, jedes Jahr erneut die Geburtsgeschichte vom Jesuskind in der Krippe zu hören. Auch sie würden so gern ein niedliches eigenes Baby in den Armen halten. Bei der Freude über ein Neugeborenes fällt es manchen schwer, innerlich mitzugehen. Und wenn man erstmal 45 ist, hilft auch die Aufmunterung der Freundin nicht, es doch noch einmal mit einer Kinderwunschbehandlung zu probieren - inzwischen seien die medizinischen Möglichkeiten doch ein ganzes Stück weiter. Kein guter Trost.

Bei Maria, damals in Bethlehem, hatte es geklappt mit der Schwangerschaft, allerdings ungeplant und vor der Hochzeit mit Josef. Ich frage mich: War sie voll Hoffnung damals? Dem Engel hatte sie gesagt: „Mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Doch die Bibel erzählt nicht, wie es ihr ging, als plötzlich die Geburtswehen losgingen. Im Stall ohne sauberes Bett, ohne Hebamme, ohne saubere Feuerstelle. In diesem Moment mag noch nichts vom Glanz der Weihnacht spürbar gewesen sein. Und wenn ihr jemand da vorhergesagt hätte, dass gerade die Heilige Nacht im Anbrechen sei? Und dass dieses Ereignis noch zweitausend Jahre später rund um den Erdball als Fest der Freude und Besinnlichkeit gefeiert werden würde. Was hätte Maria dazu gesagt? Hätte sie das geglaubt? Oder auch gelacht wie Sara?

Sara hat gelacht. Richtig ausgelacht hat sie die drei Männer. Nichts wissen wollte sie von ihrer Botschaft, dass sie, Sara, einen Sohn bekommen würde. Sara hat nicht geglaubt. Die Verheißung ist trotzdem eingetreten. Ein Jahr später war ihr Sohn geboren. Isaak. Der Name bedeutet: „Er wird lachen.“

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Saras Geschichte macht Mut, wider den Augenschein auf etwas zu hoffen. Ihre Geschichte erzählt zugleich: Gott leitet Saras Geschick selbst noch, als sie nicht mehr zu hoffen in der Lage ist. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die drei Männer von damals in Wirklichkeit Boten Gottes gewesen sind. Engel ohne Flügel. Auch bei Maria war ein Engel gewesen. Auch dieser Engel prophezeite die Geburt ihres Sohnes.

Doch was ist mit den vielen ungewollt kinderlosen Menschen heute, zu denen kein Engel kommt? Manche hoffen weiter wider den Augenschein. Und tatsächlich klappt es bei einigen irgendwann doch noch mit dem Kinderkriegen. Andere bleiben ohne Kinder und bekommen zu Weihnachten wieder die Geburtsgeschichte Jesu zu hören. Für sie mag diese Erzählung nicht so trostvoll klingen. Denn sie erzählt von Hoffnung wider den Augenschein. Es ist die Geschichte von Maria. Möglicherweise - wir wissen es nicht - war sie verzweifelt, auch wenn es im Text nicht direkt gesagt wird: Zuerst die uneheliche Schwangerschaft, dann die Strapazen der Reise nach Bethlehem, schließlich die abenteuerliche Geburt in dem Stall! Ihre Geschichte erzählt von Dunkelheit, die nicht dunkel bleibt. Von Gottes Licht, das in unser Leben scheint, so wie wir es nicht erwarten. Auch wenn im Leben vielleicht nicht jeder Herzenswunsch erfüllt wird.

Weihnachten ist das Fest der Hoffnung. Nur noch vier Türchen am Adventskalender öffnen, dann ist Heilig Abend. Doch wieviel Hoffnung werden wir an diesem Coronaweihnachtsfest haben? Mag es gelingen, zuversichtlich auf das neue Jahr 2021 zu blicken? Mit Hoffnung wider den Augenschein?

Einmal angenommen, es käme ein Engel zu mir und sagte: In einem Jahr wirst du dein „normales Leben“ weitestgehend wieder haben. Ohne Masken, Abstandsgebote und großes Ansteckungsrisiko. Wie würde ich auf die Ansage reagieren? Vermutlich würde ich lachen, so wie Sara lachte. Zu unrealistisch klingt die Vorhersage. Dass die Situation besser wird, hoffe ich schon. Aber dass Corona in einem Jahr besiegt sein würde, übersteigt meine Vorstellungskraft.

Einige von uns sind resigniert und sagen: „Ich bin schon alt. Ich weiß nicht, wie lange ich noch leben werde. Ob ich die Zeit nach Corona noch mitbekommen werde?“ Einige von uns stehen da, wie Sara, bevor die Engel ihr begegneten. Zu hoffen fällt schwer.

Andere von uns sind optimistischer. Setzen ihre Hoffnung in den Impfstoff und die Forschung und die Überzeugung, dass es ja so nicht weitergehen kann und schon irgendwie besser werden wird.

Letztlich weiß niemand, was kommen wird. In all diese Ungewissheiten hinein spricht die biblische Erzählung von Sara und den Engeln auch zu uns: Sie enthält eine Botschaft an die Hoffnungslosen in diesen Tagen. Auch Sara hat nicht mehr gehofft. Aber Gott hat sie trotzdem besucht. Er war da, auch wenn sie die drei Männer nicht als Engel erkannt hat. Auch wenn sie selbst nicht mehr zu hoffen geglaubt hat, hat Gott ihr Geschick gewendet. Und wenn Gott das für Sara getan hat, könnte er das nicht auch für uns tun, wenn wir hoffnungslos geworden sind? Ich bin sicher, Gott ist da. Auch wo sich manche Wünsche nicht mehr erfüllen lassen, schenkt er Trost. Vielleicht irgendwann auch wieder Freude, wenn auch auf andere Weise.

Auch für die Optimisten unter uns hat die Geschichte von Sara eine Botschaft: Es ist nicht „naiv“, auf etwas zu hoffen, selbst wenn die Hoffnung unrealistisch ist. Denn Gott hält sich nicht an Prognosen. „Sollte dem Herrn etwas unmöglich sein?“ spricht Gott von sich selbst zu Abraham. Gottes Handeln richtet sich nicht danach, was ich für wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halte. Wenn ich meine Zuversicht auf Gott setze, ist das mehr als bloßes Wunschdenken.

Dabei denke ich auch an meine Großmutter. Sie hatte ein Kind verloren durch eine Eileiterschwangerschaft. Der Arzt nahm ihr auch die Hoffnung auf ein weiteres Kind. Sie werde nie wieder schwanger werden können. Derselbe Arzt staunte nicht schlecht, als er meine Großmutter Jahre später mit einem Kinderwagen durch die Stadt schieben sah. Er hatte unrecht gehabt. Das Kind, das meine Großmutter im Alter von 40 Jahren doch noch geboren hatte, war mein Vater. Wie gut, dass sich Gott nicht an Prognosen oder Wahrscheinlichkeiten hält! Denn sonst würde es auch mich nicht geben.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle menschliche Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Bleiben Sie behütet und gesund! Ihre Pastorin Angela Walther

 

Kategorien Neues aus der Gemeinde