Veröffentlicht am Mo., 8. Jun. 2020 11:49 Uhr

Sonntag, den 7. Juni 2020

Pastorin Annette Niebuhr

Gott segne dich und behüte dich - Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig - Gott hebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden

  Der heutige Predigttext ist für uns ein sehr bekannter Text. In der Regel gehen wir mit diesem Text am Ende eines Gottesdienstes wieder in den Alltag, in die neue Woche.

So hat es Mose seinem Bruder Aaron, dem Priester, aufgetragen, über Israel zu sprechen. Es ist Wüstenzeit. Der Auszug aus der Sklaverei in Ägypten liegt hinter ihnen. In der Wüste suchen die Israeliten einen neuen Weg zum Leben. In der Wüstenzeit mit all ihren Wegen, Umwegen und Irrwegen, Durst- und Hungerstrecken sucht Israel nach neuen Formen des Zusammenlebens und bekommt die 10 Gebote, in der Wüstenzeit sucht Israel nach Hoffnung und Vergewisserung, nach Mut und Kraft und bekommt den Segen.

Den Segen, dessen Worte auch uns so vertraut sind. Dessen einrahmende Worte wir aber heute auch benennen wollen. Gott sprach zu Mose: sprich zu Aaron und seinen Nachkommen – so sollt ihr Israel segnen, ihnen zusagen. Am Schluss heißt es: So sollen sie Israel meinen Namen auflegen, und ich selbst werde sie segnen.

Unter Gottes Namen sein. „Ich bin da –für dich“, so hatte Gott zu Mose gesagt und damit den Grundstein für die Befreiung aus Ägypten gelegt.

„Ich bin, der ich bin, ich bin da für Dich“, sagt Gott. Das ist der Segen, das ist ein Segen – auch für uns, die wir nicht Juden und Jüdinnen sind – die wir aber eingeladen sind, uns zu bergen unter den Fittichen des Gottes Israels.

Welch heilsame Verbindung – heilsames Miteinander von Juden und Christen, jüdischer Gemeinde und christlicher Gemeinde. Und in anschaulichen Bildern wird das Da-Sein Gottes, sein Segen deutlich gemacht. 2x ist vom Angesicht oder Antlitz Gottes die Rede. Es leuchtet über uns (es erhebt sich auf uns) und stellt damit alle Dunkelheit in den Schatten, es überstrahlt alles, was dunkel ist ins uns selbst und in anderen und in der Welt.

Dieses leuchtende Gesicht für uns hat die größere Kraft. Später, im Johannes Evangelium wird es heißen – und die Finsternis kann das Licht nicht ergreifen und zerstören. Dieses Leuchten im Angesicht Gottes bleibt über uns, auch wenn wir andere Erfahrungen mit anderen menschlichen Gesichtern machen: den kritischen Elternblicken, den herabwürdigen und abschätzigen Blicken, den Blicken, die sich abwenden von uns, den unachtsamen und den hasserfüllten Blicken. Dieses leuchtende Angesicht Gottes bleibt über allem, mir und dir zugewandt, mir und dir gnädig, barmherzig, liebend, zugeneigt.

Und Gottes Angesicht hebt sich auf dich und mich. Dieses leuchtende Angesicht ist wie ein großer Schirm, unter dem wir miteinander leben – so umgehen können, dass wir Frieden leben können, was die Bibel Schalom nennt – Recht und Gerechtigkeit, Klärung und Vergebung, neues respektvolles Aufeinanderzugehen.

Wenden wir uns doch diesem leuchtenden Angesicht zu - erheben wir doch unseren Blick diesem Antlitz zu – wenn wir nach dem rechten Weg suchen im Miteinander. Ich glaube, dann geschieht auch, dass wir uns gegenseitig anleuchten mit Klarheit, Barmherzigkeit und Respekt.

Dazu möge uns Gott behüten. Dass wir in seiner Hand bleiben. Nicht in dem Sinne: dass wir gesund bleiben, dass uns nichts geschieht, dass uns kein Leid widerfährt. Sondern in dem Glauben, in der Erfahrung: ich bleibe in allem gehütet und eingehegt. Mein Vertrauen, mein Glaube möge gehütet werden und nicht verloren gehen in der Zeit. Mein Glaube, dass Gottes leuchtendes Angesicht über mir ist und mit mir geht – auch im Schweren – möge behütet sein. Mein Glaube – dass Gottes leuchtendes Angesicht über allen Menschen sich erhebt und über unsere Erde – möge gehütet sein.

Ja, unsere Hoffnung, unsere Liebesfähigkeit möge gehütet werden. – Das ist der Segen, den wir am Ende eines Gottesdienstes für unseren Alltag erflehen.  

Als Abraham in der Mittagszitze die drei Männer vor sich sah, bot er ihnen Ruhe und Nahrung an. Und es heißt: Abraham sah menschliche Gestalten, er sah Engel, er sah Gott. In seiner Anrede ging es hin und her. Abraham hatte Jahre zuvor Gottes Stimme vernommen: ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.

Abraham und Sarah waren für die Drei auf ihrem Weg mit ihrer Gastfreundschaft ein Segen.

Dadurch entsteht Leben und Zukunft. Ein neuer Mensch wird geboren werden. Was für ein Segen.

1.Mose 18, 1-14

Fürbittengebet:

Du – uns barmherzig anschauender Gott.

Dir und deinem Segen vertrauen wir uns an.

Du bist einzig und hast die Vielfalt geschaffen mit deiner Weisheit

  • die Menschen in ihrer Vielfarbigkeit

unterschiedlich, aber gleichwertig

hilf allen Menschen, die traurig und wütend sind über den Tod von George Floyd,

die protestieren und die sich einsetzen für ein Leben in Recht und Gerechtigkeit

hilf uns, jedem Rassismus in uns, bei uns entgegenzuwirken.

 

Du – uns freundlich anschauender Gott.

Dir und deinem Segen vertrauen wir uns an.

Du bist einzig und begegnest uns doch

wie Abraham und Sarah

in unseren Mitmenschen – vielleicht ja auch in allen Mittgeschöpfen.

Du schaust uns an in den Gesichtern, die unserer Gastfreundschaft, unserer Nähe, unserer Besuche, unserer Unterstützung bedürfen.

Hilf uns, uns ein Beispiel zu nehmen an Sarah und Abraham.

 

Du – uns leuchtend anschauender Gott.

Dir und deinem Segen vertrauen wir uns an

mit unseren ganz eigenem persönlichen Leben.

In der Stille möge sich jede und jeder vorstellen, wie es ist:

Gott schaut mich mit leuchtendem Angesicht an….Am


Kategorien Neues aus der Gemeinde