Veröffentlicht am Do., 30. Apr. 2020 13:40 Uhr

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Gemeinde, liebe Geschwister,  

Der dritte Sonntag nach Ostern heißt „Jubilate - Jubelt„. Wie leicht ist es, im Frühjahr in den Jubel der erwachenden Natur einzustimmen. Ihr Wiederaufblühen wird in der Osterzeit zum wunderbaren Sinnbild der Auferstehung. Auch in diesem Frühling? Es gibt wohl weder ein ganz jubelndes „Ja“, noch ein völlig zerknirschtes "Nein" – so ist das Leben, unser Leben, nicht. Es ist eine große Mischung, in die sich die erwachende Natur, die von uns geglaubte Osterfreude mit unseren gegenwärtigen Sorgen, Ängsten und Nöten mischt. Jede und jeder von uns hat dabei ein ganz eigenes Mischungsverhältnis - und das täglich neu.

Gedanken und Gebete dazu möchten wir mit Ihnen teilen.  

Ihr Pastor Claus Nungesser, Ihr Vikar Eike Blüthner

Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.

Woher kommt mir Hilfe?

Meine Hilfe kommt von Gott,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,

und der dich behütet, schläft nicht.

Siehe, der Hüter Israels

schläft noch schlummert nicht.

Der Herr behütet dich;

der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

Der Herr behüte dich vor allem Übel,

er behüte deine Seele.

Gott behüte deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!        

  Wir wollen doch alle, dass unser Leben gelingt. Und dafür tun wir, was wir können. Wer jung ist, arbeitet vielleicht hart, um voranzukommen. Familie gründen, Karriere machen, ein schönes Zuhause finden – das alles kann mit Energie angepackt werden. Die Ziele verändern sich sicherlich im Laufe des Lebens. Aber auch im höheren Alter gibt es vieles, für das es sich lohnt, sich einzusetzen: Als Großeltern die eigenen Kinder und Enkelkinder unterstützen. Etwas für seine Gesundheit tun, damit man bis ins hohe Alter fit bleibt. Sich in einem Verein engagieren. Sie können sich leicht mehr und für Sie passendere Beispiele ausdenken. Wir leben unser Leben, so gut es eben geht. Und oft geht es auch gut. Wir regeln erfolgreich unsere Angelegenheiten.

Aber irgendwann kommen Krisen. Zeiten, in wir der Tatsache nicht mehr ausweichen können, dass es auch Dinge gibt, die wir nicht beeinflussen können. Wenn es hart auf hart kommt, wird manchmal alles in Frage gestellt, was wir zu haben glauben. So kann es uns gehen, wenn wir krank werden. Wenn ein Mensch, der uns nahestand, stirbt. Wenn die Kinder auf die schiefe Bahn geraten. Wenn Beziehungen zerbrechen. Wenn jemand merkt, dass er die längste Zeit seines Lebens schon gelebt hat. Wenn ein alter Mensch ins Pflegeheim muss, obwohl er das auf keinen Fall wollte. Manches können wir nicht kontrollieren, manches nicht mal mehr beeinflussen. Und dann droht unser Leben aus den Fugen zu geraten.

Auch im Predigttext, der eigentlich diesen Sonntag dran wäre, geht es um die Frage: Wie kann Leben gelingen?

Jesus spricht: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ (Johannesevangelium Kapitel 15)

Wie kann Leben gelingen? Jesus sagt: Bleibt an mir! Dann, und nur dann, könnt ihr Frucht bringen. Für mich bedeutet das zunächst: Ich bin abhängig. Ich bin nicht der Weingärtner und nicht der Weinstock, sondern die Rebe. Aus eigener Kraft allein kann ich nicht wachsen und gedeihen. Ich bin nicht Gott und nicht Jesus. Ich bin darauf angewiesen, dass ich beschenkt werde. Dass ich geboren werden, habe ich nicht in der Hand. Auch nicht, wo ich zur Welt komme, mit was für Eltern, in was für einer Zeit. Oder ob ich gesund und sorglos aufwachsen darf. Oder, oder, …. Das alles ist nicht mein Verdienst, ich kann es nur empfangen.

Wenn ich das anerkennen kann, verändert mich das. Ich werde aufmerksam für das, was ich Gutes erfahren habe und täglich erfahre. Wenn ich weiß, wie abhängig ich bin und wie wenig ich meine Existenz in der Hand habe, dann fange ich an, bewusst in der Gegenwart zu leben. Das heißt nicht, dass ich keine Ziele und Träume mehr habe.

Aber ich bin mir bewusst, dass es in letzter Konsequenz nicht in meiner Macht steht, ob ich sie erreiche oder nicht.

Vielleicht kennen Sie den Satz von den Vögeln, die nicht säen und nicht ernten und die Gott trotzdem ernährt. Weil das so ist, weil sogar die Tiere nicht aus Gottes Fürsorge herausfallen, deshalb können wir sicher sein, dass Gott sich auch um uns kümmert. Wir sollen uns nicht sorgen, sondern Gott vertrauen.

Oder anders gedreht: Wir müssen uns nicht sorgen, wir können Gott vertrauen. Und wenn wir Gott vertrauen, dann ist erfüllt, wozu Jesus uns auffordert und uns zusagt: Bleibt in mir und ich in euch.

Ein Gebet für den Sonntag Jubilate 2020

In dir bleiben, Christus.

Die Kraft von dir empfangen.

Aus deiner Wurzel leben.

Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst.

Frucht bringen.

Christus, ohne dich können wir nichts tun.

die erschöpft sind von Corona,

die sich aufreiben in der Sorge für andere,

deren Mut aufgebraucht ist,

die sich fürchten vor dem, was kommt.

Du bist die Wurzel, die trägt. Erbarme dich.

Du bist der Friede.

Du berührst die Herzen.

Verwandle die Hartherzigen,

die Kriegsherren und die Lügner.

Ihr Gift sei wirkungslos,

weil du ihre Opfer heilst.

Du bist das Glück für die Schwachen.

Erbarme dich.

Du bist die Liebe.

Du machst alles neu.

Du bleibst.

Bleib bei den Trauernden, Christus

und bei den Liebenden,

denn ohne dich verlieren sie sich.

Du Liebe, sprich zu uns, zu deiner Gemeinde

und zu deiner weltweiten Kirche.

Bleib bei uns.

Christus, ohne dich können wir nichts tun.

Du bist der Weinstock.

Erbarme dich heute und alle Tage, die kommen.

 


 

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