Veröffentlicht am Fr., 24. Apr. 2020 20:00 Uhr

Der zweite Sonntag nach Ostern zeigt uns Gott als den Guten Hirten. Ich habe mir überlegt, was der bekannte Psalm 23 für mich und mein Leben in diesen Tagen bedeutet.

Ein Wort Jesu bewegt mich auch, in dem er sagt, dass Gott, der Gute Hirte, mich nicht aus seiner Hand fallen lässt.

Das Bild vom Guten Hirten macht mir Mut in dieser Zeit und zeigt mir gleichzeitig, was ich tun kann trotz aller Einschränkungen.

Diese Gedanken möchte ich mit Ihnen teilen.

Ihre Pastorin Yvonne Ziaja

Psalm 23und ich
Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Mir mangelt es an Halt und Orientierung
und Antworten, Umarmungen,
Familientreffen, Kinderbetreuung, Geduld.
Mir mangelt es an so viel weniger

als vielen anderen, aber an mehr als üblich;
manchmal an Vertrauen in dich.
Social distancing zu meinem Gott.

Er weidet mich
auf einer grünen Ause
und führet mich
zum frischen Wasser
er erquicket meine Seele.
Auch dann, wenn ich mich im Kreis drehe?
Mit meinen Gedanken, meinen Sorgen?
Ich will Antworten!
Aber die bekomme ich nicht.
Er führet mich
auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Heißt das auch auf SICHEREN Wegen?
Sicher in Distanz, geschützt.
Wann habe ich zueletzt gewusst,
wo es lang geht?
Und ob ich schon wanderte
im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
Umplanen, Leben auf Halt.
Wie geht es weiter?
Doch, ich fürchte Vieles:
schneller Exit, Wirtschaftskrise,
Arbeitslosigkeit, Krankheit,
Quarantäne, Isolation, Sterben, Tod.
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab
trösten mich.
Was tröstet mich?
Jetzt, wo meine Routinen in Frage gestellt sind.
Fragile, mühsam neu errungene Sicherheiten
meiner geschrumpften Lebenswelt
zwiuschen Bett, Bad, und Schreibtisch;
Homeschooling und Andachten schreiben.
Dein Stecken und Stab - was soll das sein?
Und doch höre ich: Du bist da.
Du bereitest vor mir
einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Wer sind meine Feinde?
Corona? Einsamkeit? Zweifel?
Du salbest mein Haupt mit Öl
Ich müsste für mich sorgen.
Sanfte Berührungen
für mein Wohlbefinden.
und schenkst mir voll ein.
Ist mein Glas halb voll oder halb leer?
Ich will hoffen. Positiv denken.
Die Fülle des Lebens spüren.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen
mein Leben lang,
Barmherzig mit mir sein,
mit dir, mit den anderen
auch in schwierig3en Phasen meines Lebens.
Geduld haben und Ausdauer,
damit es gut wird.
Es wird gut.
und ich werde bleiben
im Hause des Herrn
immerdar.
Amen.
Ich bleibe.
Selbstbestimmt.
Bei dir.
Ich bin gewollt
von dir
von meiner Familie, meinen Freunden,
ohne Wenn und Aber.
Du lässt mich nicht allein.
Fang mich auf. Amen


Sicherheit in Gottes Hand


Für viele von uns spielt Sicherheit eine große Rolle, und wir bringen viel Zeit und Geld auf, um Sicherheit zu bekommen. Gerade wird unser Bedürfnis nach Sicherheit auf die Probe gestellt. Was ist heutzutage noch sicher? Kann ich mich mit Mundschutz in Sicherheit wägen? Bin ich sicher, wenn ich andere meide und auf soziale Kontakte verzichte?

Ich denke an meine Eltern und Großeltern, die ich gerade nicht besuchen kann; nicht einmal meinen Opa, der im Krankenhaus liegt und dem es schlecht geht. Ich denke an die vielen Alten, die vereinsamen. Ich denke an die vielen Kinder und Familien, die nun Zuhause auf sich gestellt sind. Für viele von ihnen ist das Leben unsicherer geworden zwischen Homeschooling, der Sorge um den Arbeitsplatz, Hunger und Aggression. Ich denke an die vielen selbstständigen Menschen, die um ihre Geschäfte und Lebenswerke bangen und die Künstlerinnen und Künstler, die auf finanzielle Unterstützung warten. Ich denke an die vielen Menschen in den Flüchtlingsdörfern in Griechenland und anderswo, die in ihrem Elend auf Hilfe warten, während alle dabei sind, sich selbst zu schützen.

In diese Unsicherheiten hinein, sagt Jesus etwas ganz anderes. Jesus redet von uns als Gottes Herde und von sich selbst als dem Hirten, der die Herde vor Dieben und Wölfen bewahrt. Die Wölfe, das sind Mächte und Gewalten, die uns als Gottes Herde in Bedrängnis bringen. Ich glaube, viele von uns spüren das im Moment sehr deutlich. Aber es gibt keine Macht und keine Gewalt, die größer ist als Gott. Jesus sagt das  in kurzen Sätzen im Johannesevangelium, Kapitel 10: »Meine Schafe hören auf meine Stimme. Ich kenne sie … und niemand kann sie mir aus den Händen reißen.« Und dann im nächsten Atemzug: »Niemand kann etwas aus den Händen meines Vaters reißen.«





Ich füge diesem Text ein Foto von der Taufkerze unserer älteren Tochter hinzu. Wir haben das Motiv damals bewusst ausgesucht. Es zeigt den guten Hirten mit seinem Hirtenstab, der das kleine Schaf seinen Lebensweg entlang führt. Immer dann, wenn wir dankbar für etwas waren, was im Leben unserer Tochter an Gutem passiert ist, haben wir die Kerze angezündet. Immer dann, wenn wir Angst hatten und um etwas bitten wollten. Immer an ihrem Tauftag, an denen wir uns daran erinnert haben, dass unsere Tochter durch ihre Taufe in Gottes Hand geborgen ist und mit Gottes Hilfe ihren Lebensweg mit allen Unsicherheiten gehen wird. Wir möchten, dass unsere Töchter in dem Bewusstsein von bedingungsloser Liebe und Sicherheit aufwachsen. Einer Sicherheit, die es ermöglicht, sich den Unsicherheiten des Lebens zu stellen, sich nach ihnen auszustrecken, damit wir auch in Situationen wie dieser in Weitsicht und Verantwortung Sorge tragen um diese Welt und ihre Menschen – so wie Gott sich um uns sorgt. Dieser sicheren Hand Gottes kann uns niemand entreißen. Aus dieser Sicherheit gewinnen wir ein Bewusstsein, dass wir Verantwortung tragen für diese Welt. Wir ruhen uns nicht in Gottes Hand aus. Wir werden selbst zu Gottes Händen in der Welt. Unsere Möglichkeiten sind nicht begrenzt, sondern sehr vielfältig. Wir können etwas tun:
  • Wir können auf unsere Gottesdienste und Kontakte verzichten, und haben keine Angst, dass am Ende etwas unwiederbringlich verloren ist.
  • Wir können andere schützen, auch wenn wir selbst keine Angst haben vor einer Ansteckung.
  • Wir können Einkäufe erledigen für Menschen, die jetzt nicht einkaufen gehen können, oder wir können ihren Rasen mähen oder ihren Hund ausführen.
  • Wir können telefonieren, skypen oder andere andere Wege nutzen, um voneinander zu hören oder uns zu sehen.
  • Wir können füreinander musizieren und beten und uns online daran teilhaben lassen.
  • Wir können auf Sicht langsam in unser gewohntes Leben zurückkehren und neu schätzen lernen, was wir haben.
  • Wir können darüber nachdenken, ob es eigentlich gerecht zugeht in unserer Welt und ob es nicht viele Menschen gibt, die viel mehr Anerkennung von uns verdienen als sie bisher bekommen.
  • Wir können …

Wir können, weil wir wissen: »Niemand kann etwas aus den Händen meines Vaters reißen.«



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