Veröffentlicht von Angela Walther am Fr., 17. Apr. 2020 15:36 Uhr

Leider können wir zurzeit nicht zusammen Gottesdienst feiern. Diese Andacht liegt bzw. hängt zurzeit an allen drei Gemeindezentren für Sie bereit. Sie können Sie mit nach Hause nehmen oder hier online lesen. Suchen Sie sich daheim einen angenehmen Platz, an dem Sie Ruhe finden. Wenn Sie möchten, können Sie auch eine Kerze anzünden.


 

Liebe Gemeinde,

ein Freundeskreis - Menschen, einander zugewandt, stehen zusammen, umarmen sich an den Schultern, in ihrer Mitte ein warmes Licht, das ihre Gesichter erleuchtet. Sie scheinen sich wohl und geborgen zu fühlen miteinander. Nach solcher Gemeinschaft sehnen sich viele, ganz besonders in diesen Tagen, in denen es geboten ist, Abstand von anderen zu halten. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, ist es zurzeit auch nicht möglich, sich in einer Gruppe vertrauter Menschen zu versammeln. Die, die sich früher gern drückten und in den Arm nahmen, müssen sich gedulden und auf bessere Zeiten warten. Draußen tun sie nun das Gegenteil: Sie und die Menschen, die ihnen entgegenkommen, weichen sich gegenseitig aus. Auf unseren Straßen hat sich ein neues Verhalten ausgeprägt, weil das nötig ist, um Menschenleben zu schützen.

 

In diesen Zeiten kommen mir Worte aus dem Matthäusevangelium in den Sinn. Christus spricht: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20). Ja, wie gern würden wir das bald wieder tun, uns versammeln, auch ohne Angst, dass es noch zu früh sein könnte! Gerade für eine Gemeinde ist es doch wichtig, zum Gebet zusammenkommen zu können! So ist der Freundeskreis wie ein Symbol. Früher stand er in der

Dreifaltigkeitskirche auf dem Altartisch, bis er in die Kapelle der Christuskirche umzog. Unsere Gemeinde ist aus drei Teilen fusioniert. Da hat es erst einmal Zeit gebraucht, bis Menschen, die einander noch nicht so gut kannten, einander näher gekommen sind. Gemeinschaft muss wachsen, braucht seine Zeit. Nicht jeder mag jeden gleich in den Arm nehmen. Nicht jeder ist so ein „Nähe-Mensch“, der Schulter an Schulter stehen mag. Das braucht es auch nicht unbedingt, um Verbundenheit zu spüren, miteinander Zeit zu teilen, füreinander da zu sein.

 

Wo zwei oder drei versammelt sind… Doch wie soll das jetzt gehen? Manche, die früher an diesen Ort kamen, andere trafen, Kraft schöpften, sitzen nun allein zu Hause. Manche werden dies sicherheitshalber auch noch weiter tun, wenn die Einschränkungen gelockert werden. Doch Alleinsein heißt nicht unbedingt, einsam zu sein. Wie gut doch ein Telefonat tun kann! Ein Spaziergang draußen, selbst mit Abstand! Ein Gebet! Um 12:00 Uhr läuten bei uns die Glocken und viele Menschen beten mit. Sie versammeln sich nicht gemeinsam in der Kirche, sondern sind bei sich zu Hause. Aber im Geiste beten sie zusammen, sind sie eine Gebetsgemeinschaft und es sind noch viel, viel mehr als zwei oder drei!

Palmsonntag, Karfreitag und Ostern haben manche nacheinander den Weg in die offene Christuskirche gefunden und Kraft geschöpft. Nun liegt das Fest, das dieses Jahr so anders war, hinter uns. Wir gehen nun auf Pfingsten zu und erinnern uns an die Geschichte, wie der Heilige Geist über die

Jünger kam und Gemeinschaft stiftete. Plötzlich konnten sich alle verstehen trotz unterschiedlicher Sprachherkunft. Gottes Geist überwindet Schranken zwischen Menschen. Ich bin sicher, auch der Abstand, den wir zueinander einhalten, kann Gottes Geist nicht aufhalten. Er wirkt trotzdem unter uns, und gerade in diesen Tagen ist er manches Mal spürbar: Die Hilfsbereitschaft ist groß. Menschen kaufen für andere ein, schicken einander Hoffnungsbotschaften auf ihre Handys, beten füreinander, rufen an, um zu fragen, wie es geht, malen Regenbogen an die Fenster, um anderen Mut zu machen oder bepinseln Steine mit guten Sprüchen. Manche Nachbarn überraschten sich zu Ostern gegenseitig mit Schokolade auf den Fußmatten, wohlwissend, dass auch die anderen ihre Lieben nicht sehen konnten. Vielleicht haben Sie ähnliche aufbauende Dinge erlebt, vielleicht auch manches entbehrt, was Sie sich gewünscht hätten. Wie schön wäre es, wenn wir uns von dem guten Miteinander, dass an vielen Stellen gewachsen ist, auch über die Coronazeit hinaus etwas erhalten könnten. Wie schön wäre es, wenn wirklich jede und jeder Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft auch selbst erfahren würde. Dass dies gelingt, dabei möge Gottes Geist uns helfen. Jesus Christus hat gesagt: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Und sich zu „versammeln“ funktioniert auch im Geiste, da bin ich mir sicher. Amen.

 

Gebet

Du Gott der Nähe, in diesen Tagen sehnen sich Menschen nach einander und fühlen sich doch so fern, weil sie sich nicht treffen können.

Wir bitten dich für die Großeltern, die ihre Enkel vermissen, für Familien, die sich über das Osterfest nicht wie sonst sehen konnten, für Menschen, die allein wohnen und die persönliche Begegnung mit anderen entbehren. Zeige allen, dass trotzdem an sie gedacht wird, dass die Verbundenheit gerade jetzt über die Entfernung hinweg trägt. Lass sie auch unter den gegenwärtigen Bedingungen Zuwendung erfahren.

Wir bitten dich für die Familien, die in kleinen Wohnungen ihre Kinder betreuen und ohne Kindertageseinrichtungen und Spielplätze zurechtkommen müssen. Schenke den Eltern Ideenreichtum, Gelassenheit und Langmut. Lass die Kinder trotz allem fröhlich sein. Hilf, dass die, die dringend Hilfe brauchen, auch Hilfe erfahren.

Wir bitten dich für diejenigen, die gerade in diesen Tagen sehr viel für unsere Gesellschaft leisten, für die, die in Arztpraxen, Kliniken, Heimen, Apotheken oder in der ambulanten Pflege Dienst tun, für alle, die in der Versorgung tätig sind und im

 

öffentlichen Nahverkehr. Oft ist es ihnen nicht möglich, ausreichend Abstand einzuhalten, um ihre Arbeit zu tun. Schütze sie in besonderer Weise und segne Ihr Tun.

Wir bitten dich für alle, die in diesen Zeiten viel leisten und stark sein müssen, um durchzuhalten. Gib ihnen trotzdem den Mut, sich einmal „fallenzulassen“ und auf die eigenen Bedürfnisse zu hören.

Wir bitten dich für Menschen in Ländern, in denen die Situation schlimmer ist als bei uns, für die, die keine ausreichende medizinische Behandlung bekommen können. Wir bitten dich für die Kranken, dass du sie bewahrst und ihnen Genesung schenkst.

Auch unabhängig von Corona gibt es Sorgen, die in diesen Tagen noch schwerer wiegen. Gott, lass uns trotz allem den Mut behalten und an unserem Gottvertrauen festhalten. Hilf, dass es jeden Tag etwas gibt, über das wir uns freuen können. Lass all das Gute, das zwischen Menschen geschieht, gesegnet sein.

 

Verbundenheit mit Christinnen und Christen überall auf der Welt beten wir mit den Worten, die dein Sohn Jesus Christus uns gelehrt hat:

 

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig;

der HERR erhebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden. Amen.

 

Bleiben Sie behütet! 

Ihre Pastorin Angela Walther

 

Am Gemeindezentrum Heilig-Geist-Kirche liegen die Andachten direkt an der Straße aus:

 

 

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