Veröffentlicht von Elisabeth Hohmann am Di., 19. Apr. 2022 11:43 Uhr

Liebe Gemeinde, 

Die Worte für diese Predigt haben mich diverse Anläufe gekostet. Ich bin zwischen verschiedenen Ideen hin und her geschwommen. Es ist Gründonnerstag: Also liegt das Abendmahl auf der Hand. In der Lesung ging es um die Fußwaschung und das Gebot das Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben habt: liebt einander. 

Doch alles was ich fabriziert habe, klang wie nichts was ich hören wollte. Es hat mich selbst nicht angesprochen, schien nicht angemessen, nicht relevant genug. Dabei hatte ich mehr oder weniger lustige Tisch Beschreibungen oder Erzählungen wie das Abendmahl immer wieder zu getrennten Tischen, zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften, geführt hat.                                                       

Doch für mich fühlte sich nichts davon angemessen an. Vieles erscheint mir momentan als unangemessen, als irrelevant. Die Welt in der ich aufgewachsen bin hat sich verändert. Natürlich hat sie sich die ganze Zeit verändert. Doch - in letzter Zeit nochmal mehr. 

Ich will dem ganzen aus dem Weg gehen, einfach keine Nachrichten mehr gucken. Eine Schreckensbotschaft, jagt die nächste Kummerbotschaft. Und doch kann ich nicht anders als hinzugucken, als es aufzusaugen, als, zumindest bis zu einem gewissen Grad daran zu verzweifeln. Ich bin müde. 

Ich bin müde von den Katastrophen der Welt. Ich bin müde von den Sorgen. Was wenn ich bald mir das Gas zum heizen nicht mehr leisten kann? Doch was ist das schon im Vergleich zu den Menschenleben die erneut von einem Krieg genommen werden. Ich fühle mich Ohnmächtig. 

Und vielleicht ist es genau das, was die anderen Versuche diese Worte zu schreiben, hat scheitern lassen. Die Ohnmacht das die Welt in der ich groß geworden bin, sich nicht mehr anfühlt wie die Welt in der ich nun „Erwachsen“ bin.

Eine Form der Ohnmacht müssen sicherlich auch die Jünger gespürt haben. Sie sitzen mit Jesus zusammen, in der Nacht vor seinem Tod. Auch sie stehen vor einer Ohnmacht, die ihre Welt erschüttert. 

Und bei ihnen sitzt Jesus. Jesus, der trotz alledem den Jüngern zuvor noch die Füße gewaschen hat. Nicht aufhört sie zu erinnern was wichtig ist. Damit sie weitermachen. Damit sie die Welt erinnern zu lieben. Um Erinnerung zu schaffen, um sich ihnen mitzuteilen und letztlich sich selbst mit ihnen zu teilen – so teilt er mit ihnen, an diesem Abend.

Er nahm erst das Brot, brach es und gab es den Jüngern. So wie er für uns seinen Leib gegeben hat. Er brach das Brot, damit wir erinnern.                                                                                                                                                      Dann nahm er den Kelch und gab ihn den Jüngern um zu trinken. Er tat dies als Zeichen für den Bund, für den er starb. Er reichte den Kelch, damit wir erinnern. 

Indem wir also zusammenkommen, wie auch Jesus an diesem Abend mit seinen Jüngern, indem wir erinnern Brot und Rebensaft zu teilen, können wir Zuversicht und Hoffnung finden. Denn er tat das für seine Jünger. Er tat das für uns. 

Trotz all der Ohnmacht. Wir sind Teil einer Gemeinschaft. Wir sind Teil einer Gemeinschaft die durch diese Zuversicht und Hoffnung eine Befreiung im eigenen Leben erfahren kann. Wir sind Teil der Gemeinschaft Christi. 

Ich stehe hier also heute vor euch: ohnmächtig und hoffnungsvoll zugleich. Ich bin auf der Suche nach Mut und Vertrauen. Auf der Suche nach Frieden und dem Lebenssinn. 

Und gleichzeitig bin ich zuversichtlich. Ich bin zuversichtlich, dass ich es schon bekommen habe und ich bin zuversichtlich, dass ich es auch finden werde. 

Und so bleibt mir, ohnmächtig und zuversichtlich wie ich bin, nichts außer Hoffnung zu haben und fest daran zu glauben, dass auch die Welt die Worte erinnert, die Jesus gegen Ende seines Lebens seinen Jüngern noch mitgegeben hat: 

34Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! Genauso wie ich euch geliebt habe, sollt ihr einander lieb haben.35Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Ihre Vikarin Elisabeth Hohmann

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